VÖ: bereits veröffentlicht
(Der Hörverlag)

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DER HOERVERLAG

Klappentext:

London, 1841. James Trenchard ist ein ehrgeiziger Mann, der sich mit seinem Baugewerbe einen gewissen Wohlstand erarbeitet hat. Vor 25 Jahren starb seine Tochter im Kindbett. Ihr Sohn Charles, Spross einer heimlichen Liaison mit einem Mann aus dem Hochadel, wurde in die Obhut eines Geistlichen gegeben und seine Herkunft vertuscht. Jetzt droht das Familiengeheimnis enthüllt zu werden. Einzig die beiden Großmütter Anne Trenchard und Lady Brockhurst können den Enkelsohn vor üblen Machen schaften bewahren. Trotz der unterschiedlichen gesellschaftlichen Stellung müssen sie gemeinsam für den Enkel einstehen. Können sie das Geheimnis um Charles’ Herkunft lüften und alles zum Guten wenden? Und wird er die Frau heiraten können, die er liebt, obwohl sie einem anderen versprochen ist?

Gelesen von: Beate Himmelstoß

Julian Fellowes, Roman- und Drehbuchautor ( unter anderem von „Downton Abbey“ und „Gosford Park“), führt den Hörer mit „Belgravia“ in die Kreise des Adels und der feinen Gesellschaft Londons gegen Mitte des 19. Jahrhunderts. Im vornehmen Stadtteil Belgravia residieren sowohl die adelige Familie Brockenhurst als auch die zu Reichtum gelangte Unternehmerfamilie Trenchard. Beide Familien von unterschiedlichem Stand verbindet ein ähnliches Schicksal sowie ein lang gehütetes Geheimnis: Ein illegitimes Enkelkind, das kurz vor der Schlacht von Waterloo aus der stürmischen Verbindung der beiden Kinder dieser Familien hervorging. Beide Familien hatten kurz darauf den Tod ihrer Kinder zu betrauern. Der junge Viscount fiel in der Schlacht von Waterloo, Sophia Trenchard starb kurz darauf bei der Geburt ihres Sohnes. Um den Ruf der toten Tochter und der Familie Trenchard zu schützen, wurde das Baby nach der Geburt in die Obhut einer Pflegefamilie gegeben, wo es seiner Herkunft ungewahr zu einem jungen Mann heranwuchs. 25 Jahre später werden die Familien Trenchard und Brockenhurst nun von der Vergangenheit eingeholt… Zugegeben, man braucht etwas Zeit, um in die Welt von Belgravia einzutauchen und sich in dem Gewirr der vielen handelnden Personen einzufinden. Hat man aber die vielen Figuren und Namen im Geiste geordnet, öffnet sich dem Hörer die faszinierende Welt der vornehmsten Kreise und des Hochadels. Dabei findet man sich ebenso in den Salons und Schlafzimmern der Herrschaften sowie in den Kammern des Hauspersonals wieder. Es entsteht ein lebhaftes Zeitgemälde, welches den Zeitgeist und das gesellschaftliche Weltbild hervorragend wiedergibt sowie plastisch den Alltag und die Sorgen aller Personen unterschiedlichster gesellschaftlicher Schichten in der Tradition von „Upstairs Downstairs“ oder auch „Downton Abbey“ vermittelt. Dabei wird neben Herz und Schmerz der Schwerpunkt auch auf die gesellschaftlichen Zustände und Entwicklungen dieser Zeit gelegt. Dieser beschränkt sich zwar auf die kleiner Welt der handelnden Personen, verhindert aber, daß „Belgravia“ inhaltlich zu einer schnöden Adels-Schnulze verkommt. Ähnlich wie auch in Fellowes TV-Serie „Downton Abbey“ schimmern immer wieder gesellschaftliche Veränderungen und eine Umbruchstimmung hervor, mit denen der standes- und traditionsbewußte Adel hadert und deren sich bietende Chancen das emporstrebende Bürgertum ergreift. Durch die differenzierten Charakterbilder, die Autor Julian Fellowes zeichnet, kann sich der Hörer zudem in jede Person hineinfühlen und durchlebt mit ihnen die gesamte Gefühlspalette von Liebe, Haß, Eifersucht, Freude, Trauer und Ehrgeiz. Zwar bekommt auch dieser Roman durch den einen oder anderen typischen Bösewicht erst die richtige Würze, die Protagonisten werden aber vielschichtig und nachvollziehbar durch ihre Motivationen und Handlungen entwickelt. Einziger Kritikpunkt ist das zu häufig wiederholte Gedankenspiel über die möglichen Konsequenzen der Enthüllung des Gehemnisses um den jungen Enkel Charles Pope. Zu oft wird das in den Gedankenspielen diverser Protagonisten durchgekaut. Abgesehen davon kann „Belgravia“ Genrefans jedoch ausgezeichnet unterhalten. Beate Himmelstoß liest das Hörbuch in einer sehr ruhigen Art und Weise, die angenehm ist, jedoch mitunter ein wenig langsam und behäbig daher kommt, was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist. Einmal daran gewöhnt, freundet sich der Hörer aber bald damit an, paßt die Leseweise doch zu der entschleunigten Welt der vornehmen Salons von „Belgravia“.

Fazit:

Im Kielwasser  von „Downton Abbey“ erfindet Julian Fellowes das Wagenrad mit „Belgravia“ zwar nicht komplett neu, für Genrefans dürfte „Belgravia“ mit seiner vornehm-behäbigen Welt des Hochadels und der feinen Gesellschaft in jedem Fall aber ein wahres Fest sein.

8 von 10