VÖ: bereits erschienen
(Der Hörverlag)

Homepage:
HÖRVERLAG

Klapptext:

In einer Galaxie, in der Gewalt und Rache das Leben der Völker beherrschen, besitzt jeder Mensch eine besondere Gabe, eine einzigartige Kraft, die seine Zukunft mitgestaltet. Doch nicht jeder profitiert von seiner Gabe …Cyra ist die Schwester des brutalen Tyrannen Ryzek. Ihre Gabe bedeutet Schmerz, aber auch Macht – was ihr Bruder gezielt gegen seine Feinde einsetzt. Doch Cyra ist mehr als bloß eine Waffe in Ryzeks Händen: Sie ist stark und viel klüger, als er denkt.
Akos stammt aus einem friedliebenden Volk und steht absolut loyal zu seiner Familie. Als Akos und sein Bruder von Ryzek gefangen genommen werden, trifft er auf Cyra. Er würde alles dafür tun, seinen Bruder zu retten und mit ihm zu fliehen, doch mächtige Feinde stehen ihm im Weg. Akos und Cyra müssen sich entscheiden: sich gegenseitig zu helfen oder zu zerstören …

Gelesen von: Laura Maire und Shenja Lacher

Kritik:

In ihrer neuen Buchreihe führt Autorin Veronica Roth („Die Bestimmung“) den Hörer in eine fremde und andersartige Science-Fiction-Welt. Akos und Cyra wachsen in zwei verschiedenen Ländern auf einem fernen Planeten auf. Ihr Hintergrund könnte unterschiedlicher nicht sein. Akos als Sohn des Orakels von Thuwe; geborgen in einer harmonischen Familie. Cyra als Schwester des Tyrannen Ryzek, die wenig Zuwendung in ihrem Leben erfahren hat und von ihrem Bruder lediglich als Mittel zum Zweck ausgenutzt wird. Ryzek, Herrescher der Shotet, einem kriegerischen Volk, das das Volk der Thuwesi unterwerfen will, mit dem es sich die Welt dieses Planeten teilt, lässt in seiner Machtgier Akos und seinen Bruder entführen, da er hofft, das zukünftige Orakel in sein Gewalt zu bringen. Dabei wird Akos Vater ermordet. Cyras Gabe besteht darin, vom Strom – einer alles umfassenden Kraft – erzeugte Schatten in sich zu tragen, die sie auf andere lenken und unerträgliche Schmerzen oder auch den Tod bewirken kann. Der Preis dieser Gabe ist es, den Schmerz ununterbrochen am eigenen Leib zu fühlen. Akos Gabe besteht darin, den Stromfluss zu unterbrechen. Er ist somit in der Lage, durch eine Berührung Cyras Schmerz unterbrechen zu können. Da Ryzek das erhoffte Orakel in Akos Bruder sieht und somit für Akos keine Verwendung hat, stellt er ihn seiner Schwester als Diener zu Seite, dessen Aufgabe es ist, durch Berührung Cyra den Schmerz zu nehmen. Zwei junge und sich fremde Menschen werden an einander gekettet und sind gezwungen, in einer feindlichen Welt einander kennen und vertrauen zu lernen. Akos erlernt an Cyras Seite das Kämpfen, reist zu fremden Planeten und lernt die Kultur und Bräuche der Feinde kennen. Während sie dem Kindesalter entwachsen, wird Akos jedoch stets von einem Gedanken angetrieben: Seinen Bruder zu retten und in die Heimat zurückzukehren. Doch es fällt ihm immer schwerer, sich zwischen der Loyalität zu seiner Familie und seinem Volk und Cyra zu entscheiden. Unterdessen wird sein Bruder von Ryzek mehr und mehr zu dessen willenlosen Geschöpf gemacht, dessen eigene Persönlichkeit allmählich verschwindet. Ryzek indes treibt seine despotische Herrschaft immer mehr auf die Spitze, so daß Akos und Cyra eine Entscheidung treffen müssen. Eine Entscheidung für oder gegen ihr Volk, ihre Familie, ihre Gefühle füreinander und für oder gegen ein Leben im Untergrund des Widerstandes gegen das toatliäre Regime. Und dann gibt es noch die unumstößlichen Prophezeiungen, die ihre Schicksale lenken… Der Einstieg in die völlig fremde Planeten- und Völkerwelt von „Rat der Neun“ fällt zugegeben am Anfang schwer. Zu viel, zu komplex prasseln fremdartig klingende Namen, Orte und Begriffe auf den Hörer ein, die wie selbstverständlich in den Raum gestellt werden. Läßt man sich aber darauf ein und lernt nach kurzer Zeit, alles auseinander zu halten, entfaltet sich ein ungemein phantasievoll und komplex gestaltete Welt, die den Hörer nicht mehr losläßt. Zudem entwickeln sich die Charaktere deutlich und zudem schlüssig. Tief taucht man in die Personen ein, allen voran Cyra und Akos, die einem zunehmend ans Herz wachsen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich alles nachvollziehbar und überzeugend fügt. Von Oberflächlichkeit keine Spur. Nebenbei gibt es auch noch eine diffizil ausgearbeitete Story, die immer wieder überraschende Wendungen und spannende Momente bereit hält. Dennoch entstehen zwischendurch immer wieder Längen durch lange Gespräche, die andererseits aber auch die Grundlage liefern, daß sich der Hörer so tief in die Protagonisten hineinfühlen kann. Interessant und ungewöhnlich wird auch die Erzählperspektive gewählt: Abwechselnd wird die Handlung aus Akos‘ und aus Cyras Sichtweise geschildert. Hierbei wird Akos‘ Part in der „Dritten Person“-Perspektive und Cyras Part aus der Ich-Perspektive erzählt. Um alles noch besser abgrenzen zu können, werden die Erzählparts auch von unterschiedlichen Sprechern gelesen. Laura Maire liest die Perspektive der Cyra gefühlvoll und überzeugend. Shenja Lacher übernimmt den Erzählerpart für Akos und schafft es ebenfalls, den Hörer zu fesseln. Insgesamt bietet Lübbe Audio hier eine rundum gelungene Hörbuch-Produktion mit einer Story, die in fast allen Facetten überzeugen kann und sich positiv vom üblichen, stereotyp gehaltenen Teenager-Literatur-Knaatsch abhebt.

Fazit: Veronica Roth schafft eine phantasievoll ausgearbeitete und durchdachte Science-Fiction Welt mit oft sperrigen, aber schlüssig entwickelten Protagonisten, die dem Hörer ohne Umwege ans Herz wachsen und sich differenziert und glaubwürdig entwickeln. Allerdings muß sich der Hörer auf viele fremdartige Namen, Orte und Begriffe einlassen, die anfangs oft verwirren. Hat sich alles erst gesetzt, kann man tief eintauchen in diese fremde Welt.

9 von 10