VÖ: bereits erschienen
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Klapptext:

Mallorca im Jahre 1343: Das Inselreich wird in einem blutigen Feldzug durch König Pere IV. von Katalonien-Aragón erobert. Auch die Burg des Grafen von Marranx fällt dem übermächtigen Gegner in die Hände, und sein Erzfeind nützt die Gelegenheit zur Rache: Weil der Graf ihm einst die Braut raubte, sollen jetzt dessen Töchter für die Schmach von damals bezahlen. Nur um Haaresbreite gelingt es Miranda und Soledad zu entkommen, doch ihr Verfolger ist wie besessen vom Gedanken an Vergeltung. Als er die beiden schönen jungen Frauen schließlich aufspürt, scheint ihr Schicksal besiegelt.

Gelesen von: Dana Geissler

Kritik:

Der bereits 2006 unter dem Autoren-Pseudonym Eric Maron erschienene Roman „Die Rebellinnen von Mallorca“ wurde nun noch einmal unter dem bekannteren Autorennamen Iny Lorentz überarbeitet und neu veröffentlicht. Auf Mallorca wachsen die Grafentöchter Soledad und Miranda unerkannt als Fischermädchen auf, nachdem ein treuer Diener ihres ermordeten Vaters sie vor dem rachsüchtigen Gegner Domenech Decluer in Sicherheit gebracht hat. Als Miranda eines Tages durch einen Zufall von Decluer erkannt und entführt wird und Soledad von der Insel flieht, trennen sich die Wege der Schwestern. Auf Umwegen verschlägt es die Mädchen an die Höfe der verfeindeten Könige Pere auf Mallorca und Jaume auf dem Festland. Im fernen Deutschland wird der als Bastard eines Grafen geborene Andreas, spöttisch genannt „von den Büschen“, durch die Intrigen seiner Stiefmutter und seines eifersüchtigen Stiefbruders von den väterlichern Ländereien verbannt, nachdem er zum Ritter geschlagen wurde. Enttäuscht und gedemütigt sucht er in der Ferne sein Glück und schließt sich dem Söldnerheer des vertriebenen König Jaume von Mallorca an, der in einem Feldzug sein Reich zurückerobern will. Man entwickelt hier recht gekonnt drei parallele Handlungsstränge, die aufgrund der Geschehnisse mehr oder weniger schlüssig zu einem Ganzen verwoben werden. Dass hier natürlich oftmals der Zufall das Heft in die Hand nimmt, überrascht dabei nicht. Wenn auch die so Iny Lorentz-typisch, stereotypen Charaktere in gewohnter Weise an den Tag treten ( die starken, mutigen sowie eigensinnigen Frauen, die zu Unrecht in Ungnade gefallenen doch stets edlen Helden, der dümmliche Herrscher und natürlich der abgrundböse Fiesling nebst Quoten-Vergewaltiger…), kann der Roman dennoch unkompliziert und durch die unterschiedlichen Schauplätze recht abwechslungsreich unterhalten. Interessant auch die kleine Lektion über die eher unbekannte Geschichte Mallorcas ! Ähnlich wie in anderen Romanen wird der Hörer allerdings von einer schier endlosen Flut von komplizierten Namen und Adelstiteln erschlagen und anfangs gestaltet sich das „Who’s who“ der vielen Adligen in den drei Handlungsfäden recht kompliziert und erschwert ein wenig die Orientierung. Hat man sich aber erst einmal durchgebissen, klappt es mit der Zeit ganz gut. Als mit der Zeit störend empfindet man die Iny Lorentz-typische Unart der endlosen Wiederholungen von einschlägigen Begriffen. In diesem Fall wird nach Ausbruch der Pest die Krankheit von jedem Charakter stets als „Der schwarze Schnitter“ bezeichnet und dieser Begriff enervierend endlos wiederholt. Hier wäre eine verwandte Wortwahl ( Pest, schwarzer Tod, Seuche…) zur Abwechslung mehr als wünschenswert gewesen. Und während im letztjährig erschienenen Lorentz-Roman „Das Mädchen aus Apulien“ Andreas‘ Charakter-Kollege Leonhard von Soledads Charakter-Zwilling Pandolfina stets und ständig als „teutonischer Ochse“ bezeichnet wird, darf sich Andreas in den „Rebellinnen“ nunmehr über die Bezeichnung „teutonischer Büffel“ freuen. Diese Feststellung mag etwas spitzfindig erscheinen, lässt den treuen Iny Lorentz-Hörer jedoch vielleicht auf etwas mehr sprachliche Abwechslung hoffen. Anlass zur wirklichen Kritik bietet leider hingegen die Lesung von Dana Geissler. Liest sie Iny Lorentz an sich in gewohnt eingängiger und stimmlich differenzierter Manier, scheitert sie jedoch eklatant an den spanischen, katalanischen und sonstwie gearteten fremdsprachlichen Namen, Orts- oder Sachbezeichnungen. Und dies leider so sehr, dass das Hörvergnügen durch das Radebrechen in jeglicher Couleur doch deutlich eingeschränkt wird. Hier wäre es wünschenswert gewesen, wenn sich Frau Geissler zuvor einem kleinen Aussprache-Training unterzogen hätte.

Fazit: In Iny-Lorentz typischer Art und Weise unterhält „Die Rebellinnen“ zuverlässig, solide und abwechslungsreich mit kleinen Schönheitsfehlern. Leider wird die Lesung aufgrund der nicht gelungenen Aussprache der vielen fremdsprachlichen Namen und Orte getrübt.

6 von 10