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VÖ: 17.03.2017
(Dissonence)

Style: Hardrock

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GIRLSCHOOL

Wir schreiben das Jahr 1980 – eine damals blutjunge Mädchenband spielt knallharten Rock dreckiger Attitüde, wie ihn sonst nur ihre männlichen Kollegen von MOTÖRHEAD bringen. Das bedeutet Revolution! Schnell sind die Mädels mit ihrer grandiosen vor purem Straßencharme nahezu platzenden Debüt LP, die den bezeichnenden Titel 'Demolition' trägt, der zweifelsfrei symbolisiert, das diese frechen Girls auch live heftig die Wände zum Wackeln bringen, in aller Munde. Eine Polizei-Sirene leitet den krachenden Opener „Demolition Boys“ passend ein, danach folgt ein kantig flottes häufig auf 2 - 3-Minuten reduziertes, fließend groovendes Rock n' Roll-Inferno, berstend vor Ohrwurmcharakter, dessen Inhalt selbst nach derart langer Haltbarkeit bis heute nichts von seinem fesselnden Charme eingebüßt hat. Eingängig kantige Rocker wie „Race With The Devil“, „Take It all away“, „Nothing To Loose“, „Midnight Ride“, der coole Stampfer „Breakdown“, das zum Schluß in eine Speed Rock n' Roll-Orgie ausufernd schwer in Richtung MOTÖRHEAD schielende „Emergency“, „Deadline“... (hier ist jeder Schuss ein Treffer!) gehen effektiv unter die Haut. Aufgrund seiner Nostalgiespirit im Überfluss verteilenden Wirkung sowie des immens hohen Stellenwertes für die N.W.O.B.H.M. genießt das GIRLSCHOOL-Debüt Ausnahmestatus, womit es zu recht in meiner persönlichen Bewertungsliste aller GIRLSCHOOL-Alben mit dicken 9 von 10 Punkten ganz oben steht. Ergänzt durch Singletracks von „Take It All Away“ und „If could be better“ sowie Demoversionen von „Nothing To Loose“ und „Not For Sale“ plus dem raren nur auf der „Emergency“-Single B-Seite erhältlichen Sahnehäppchen „Furniture Fire“ ist die CD-Neuanschaffung selbst für Einsteiger nach über drei Rock n' Roll Dekaden Pflicht.

Widerspruch zwecklos: Essentiell purer 80er-Jahre Rock n' Roll auf zeitlosem Klassikerstatus! 9/10
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GIRLSCHOOL – Hit and Run

Kaum zu glauben, das der zweite GIRLSCHOOL-Albumrelease „Hit and Run“ von 1981 bereits 35 Jahre zurückliegt, dabei kaum einen Deut weniger unverbraucht frisch die Boxen rockt, zumal die Leadgitarre kraftvoller im Saft steht, Schlagzeug und Riffs druckvoller abgemischt sind als auf dem soundmässig verwascheneren Debüt. Speed n' Roll-Hymnen wie „C'mon let's Go! oder „I'm Your Victim“, treten heute noch saftig in jedes Gesäss. Flotte Rocker mit kernigem Drive vom Typ „The Hunter“, „Kick it down“, „Watch Your Step“ ein explosiv rebellisch dem Original von ZZ-TOP gerecht werdendes Cover von „Tush“, die immenses Hitpotential aufweisende Titelhymne „Hit and Run“, sowie fetzige Good Time-Rock n' Roll-Smasher im Format „Future Flash“ und „Tonight“ entfalten mächtig Ass-kickende Heavyness, wenn pfundschwere Grooves gepaart mit explosiver Leadgitarren/Riffdynamik aus den Boxen rollen. Die zuvor noch rauere Facetten aufweisende Rockröhre Kim Mc Auliffe's klingt auf „Hit and Run“ mädchenhafter als auf dem Debüt, was in Bezug auf den Songinhalt durchaus einen Unterschied macht. Schwerer produziert als der 'Demolition'-Erstling, kommt das Faible für MOTÖRHEAD bei den Damen verstärkt durch.„Please Don't Touch“ im gemeinsamen Duett mit der seinerzeit räudigsten, dreckigsten, härtesten und lautesten Band im Genre (großartig!) beweist wie auch das cool umgesetzte „Bomber-Cover“ das die wilden Mädels der Lemmy-Crew von Anfang an sympathisch waren. Der fetzige Opener „Demolition Boy's“ vom Erstling als Live-Bonus stellt zusätzlich sicher, das eine Anschaffung der CD-Neuauflage sofern man das Original-Vinyl nicht besitzt reichlich Sinn ergibt. Hauptgrund, warum ich dieser Hitfabrik den ungeschliffenen vergleichbar undergroundlastigeren Erstling vorziehe, ist, das sich zwischendurch leider auch schwache bis durchschnittliche Blaupausen wie „Following The Crowd“ und „Back To Start“ eingeschlichen haben, dennoch ist „Hit and Run“ ein zeitloser Klassiker, an dem man als weder als Hardrock/Heavy Metal, noch N.W.O.B.H.M.-Fan vorbeikommt. Aufgewertet durch vier Bonustracks ergeben sich daraus für den das Debüt zwar nicht übertreffenden, doch qualitativ größtenteils in die Nähe des unerreichten Erstlings kommenden GIRLSCHOOL-Zweitlings immer noch granatenstarke 8,5 von 10 Punkten. 8,5/10
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GIRLSCHOOL – Screaming Blue Murder

Deutlicheren Abstrich gibt’s bei der schon ein Jahr auf 'Hit and Run', 1982 folgenden 'Screaming Blue Murder'-LP. Lies das Coverartwork beim puren Hinsehen schlimmes erahnen (!) gab diese Vinyl-LP nicht wenigen GIRLSCHOOL-Fans doch optisch einige Rätsel auf, obgleich die Ladys mit dem herausragenden, mächtig die Boxen zum Beben bringenden Titeltrack eine packende Hymne am Start haben, ist der dritte GIRLSCHOOL-Output bis heute inhaltlich zu unrecht unterbewertet. Danach folgen fünf Kracher am Stück, die es in sich haben. Kurz & knackig geht’s bei den Uptempo-Rockern „Take it from me“ und „Wild Life“ zur Sache, bis der flotte Speed n' Roll-Feger „Hellrazer“ den Kopf amtlich freibläst, die Rocker „It Turns Your Head around“, und „You Got Me“ müssen GIRLSCHOOL-Fans versöhnlich stimmen, der energische, samt catchy Refrains versehene Hitburner „Don't Call it Love“ entwickelt sich gar zur weiteren Hymne. „When Your Blood Runs Cold“ und der zahnlose Rausschmeißer „Flesh and Blood“ entpuppen sich als austauschbar, das streitbare ROLLING STONES-Cover hätte es ebenso wenig gebraucht, während sich im Gegensatz dazu das kernig rockende Bonusstück „Don't Stop“ sogar als echtes Highlight herausstellt. Unterm Strich ergibt sich rückblickend auf den GIRLSCHOOL-Drittling folgendes Endresumeé: Zwar hinkt „Screaming Blue Murder“ trotz zeitgemäßer (ungewohnt glattgebügelter) Produktion inklusive oft geradlinig kernigem Rockfaktors der unerreichten Klasse seiner beiden Vorgängeralben 'Demolition' und 'Hit and Run' doch ein wenig hinterher, trotzdem zählt es qualitativ nicht zu den schlechtesten der Londonder-Damenriege. Leichten Abzug in der B-Note gibt’s für das auf Disco-gemachte Cover, das ergibt laut Endabrechnung noch gute 7,5 von 10.