05 radioheimat

VÖ: 26.05.2017
(Concorde Video)

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CONCORDE VIDEO

 

Ja, die 80'er, auch ich bin in der Zeit groß geworden und kann daher folgenden Inhalt vollkommen nachvollziehen:
RADIO HEIMAT begleitet die vier Freunde Frank (David Hugo Schmitz), Pommes (Jan Bülow), Spüli (Hauke Petersen) und Mücke (Maximilian Mundt) mitten im Pott, mitten in der Pubertät und mitten in den 80er Jahren auf ihrer Suche nach der ersten großen Liebe und dem ersten Sex. Und besonders Hauptfigur Frank hat einen schmerzlichen Wunsch, nämlich bei Carola Rösler (Milena Tscharntke) zu landen. Unerschrocken ziehen unsere vier Helden in den Kleinkrieg der Geschlechter und lecken ihre Wunden zwischen Freibad, Schrebergärten und Ommas (Anja Kruse) Frikadellen. Sie absolvieren die schier unüberwindbaren Initiationsriten, welche das Ruhrgebiet jeglicher Mannwerdung entgegenhält: Pilstrinken, Pölen und Pommes-rot-weiß.
Da hatte es Franks Vatter (Stephan Kampwirth) mit seiner Kohlenstaub-Chuzpe in den ironisch-verklärenden 60er-Jahre-Rückblicken wohl etwas leichter: Außer einem Kanon gesellschaftlich auferlegter Pflichtübungen wie Tanzschule, keuschen Kaffeetrinkens und echten Errötens lief es in Sachen Liebe eigentlich wie von selbst - bzw. wie es die Herzensdame (Sandra Borgmann) wollte. Und so bleibt unseren Helden nur eins: Alles selber ausprobieren! Sie scheitern als Rockmusiker im Bergarbeiter-Chor, noch ehe sie beginnen. Und gehen wie ihre Eltern in die Tanzschule, um am Ende zu begreifen, dass es beim Tanzen nicht um die Schritte, sondern ums Anpacken geht. Und alles nur um heraus zu finden, was sie wirklich brauchen. Und das sind keine Sprüche von Eltern, Verwandten oder Lehrern, sondern schlicht: Freundschaft, Humor und jemanden an der Seite, der einem gut tut.

Sehr geil sind die Kommentare der Eltern, Freunden, Verwandten und sonstigen Alten, die in richtigem Ruhrpott Dialekt stark rüber kommen, was bei unseren vier Jungs nicht der Fall ist, die sind mir an manchen Stellen einfach zu brav dargestellt und nicht so roh, wie das Leben im Pott eben war. Ansonsten erkennt wohl jeder, der den Film sieht, dass sich da Parallelen zu seinen Jugendtagen auftun, man will das erste Mal, der Lehrer ist eh ein Depp und saufen ist bei so manchen damals auch an der Tagesordnung gewesen. Ja, die gute, alte Zeit, mit diesem Film kommen auch eigene Erinnerungen hoch an die Verarsche von anderen, das Anmachen der Mädels und auch an die hier sehr coole Klassenfahrt ist original wie damals. Mit den Kulissen und den Klamotten wurde auch der Nagel auf den Kopf getroffen und auch wenn es an einigen Stellen hakt, der Film ist locker 7,8 von 10 Punkten wert.