Interview vom 28.09.16
Interviewpartner: v.l.n.r. Alex Holzwarth (dr.), Urban Breed (voc.), Mario Lochert (b.)

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SERIOUS BLACK

FFM-Rock:
Moin ihr drei, aktuell ist die Wundertüte SERIOUS BLACK mit dem 2. Album „Mirrorworld“ auf Tour. Wie auch schon beim Debüt „As Daylight Breaks“ scheint es so, als wenn für „Mirrorworld“ nichts dem Zufall überlassen wurde und alles wieder streng nach Vorplanung verlaufen ist. Wer ist bei euch für diese generalstabsmäßige Planung zuständig?

Mario:
Es ist so, dass wir mit der Plattenfirma (Anm.: AFM-Records) weitestgehend, d.h. über zwei Jahre, vorausplanen. Wir wollten spätestens nach 18 Monaten mit der zweiten Scheibe rauskommen, und so haben wir auf den beiden Touren mit HAMMERFALL und GAMMA RAY bereits angefangen, neue Songs zu schreiben. Der Sinn dahinter war, dies weiter fortzuführen und unseren Stand zu festigen. Jetzt auf der Tour sind auch schon wieder zwei Songs entstanden, also das dritte Album wird kommen.

FFM-Rock:
Neu in dieser Fragerunde bist du Alex. Nachdem Thomen Stauch im letzten Jahr seinen Drumhocker offiziell geräumt hatte, wurdest du präsentiert. Wie kam es zu deiner Verpflichtung?

Alex:
Ja, der Mario hat mich halt angerufen (lacht). Mario und ich kennen uns schon länger. Wir haben damals mit RHAPSODY OF FIRE auf der „Frozen Tour Of Angels“-Tour zusammen getourt; Mario hat damals noch bei VISIONS OF ATLANTIS gespielt, und da haben wir uns kennengelernt. Tja, und dann kam halt der Fall, dass der Thomen nicht konnte und Mario mich gefragt hat, ob ich Bock hätte. Und ich hatte Bock – und da haben wir es halt gemacht.

FFM-Rock:
Da sich durch Thomens Ausstieg ein wichtiger Songschreiber verabschiedete, euer 2. Neuzugang Bob Katsionis (git., FIREWIND, OUTLOUD) dem aber auch in nichts nachsteht, stellt sich nun die Frage, inwieweit er sich dahingehend schon auf „Mirrorworld“ ausleben durfte?

Mario:
Ich muss ganz ehrlich sagen: Der Bob ist ein Ausnahmegitarrist, ein Ausnahmemusiker. Er hat sich sehr viel eingebracht, und Bob hat sehr viel auf diesem Album geschrieben. Seitdem wir das erste Mal zusammen auf Tour waren, spielt er mit, und er hat sich komplett integriert. „Castor Skies“ z.B. stammt aus seiner Feder. Ich möchte den Bob nicht missen, das muss ich ehrlich sagen.

FFM-Rock:
„Castor Skies“ wurde ein sehr spezielles Video – die Hintergründe dazu sollte in diesem Rahmen hier mal eben bitte einer von euch näher erklären.

Urban:
Der Grundgedanke bei diesem Song ist der, dass wenn die Erde zerstört wird, man diese verlassen muss, um zu überleben. Wenn es denn so weit kommen sollte, wird es nur den Privilegierten möglich sein, die Erde zu verlassen. Wenn diese Leute dann „da oben“ sind, werden sie sich irgendwann die Frage stellen, was aus uns Zurückgebliebenen geworden ist. Wir hatten ja diese Chance nicht und werden elendig verrecken. Das Konzept des Videos war dann das wegfliegende Raumschiff und die Zurückgelassene, wie sie am Schluss stirbt.

FFM-Rock:
„Mirrorworld“ knüpft in vielerlei Hinsicht an „As Daylight Breaks“ an, was schon einen gewissen Wiedererkennungswert darstellt. Ich mache aber auch hier und da kleine Horizonterweiterungen wie z. B. in Richtung Progressivität aus. Zufall oder Absicht?

Mario:
Ich finde, dass der progressive Part auf dieser Scheibe weniger ist wie auf der ersten. Das Ding ist eigentlich viel kompakter geworden im Gegensatz zum ersten Album. Du siehst einen roten Faden. Die Musik hat sich in gewisser Weise ein wenig verändert, aber man erkennt, dass wir SERIOUS BLACK sind.

Alex:
Also wenn, dann war es Zufall. Das liegt auch bei mir einfach an den Roots und der Bob steht ja auch auf Progressive, wie z.B. alte SIEGES EVEN. Dann ist es natürlich ganz klar, so wie wir die Instrumente sehen, wie die gespielt werden. Dann ist das für uns eine ganz natürliche Sache. Aber die progressiven Elemente sind sowieso nie vordergründig. Man hört es, aber ich versuche auch immer – wenn diese Drum-Arrangements und irgendwelche programmierten Ideen vorhanden sind – dann auch was Interessantes zu machen. Ich hab kein Problem, was straightes zu spielen, da steh ich total drauf. Aber wenn ich mal ne Pause hab und da klingt die Gitarre aus, dann spiel ich halt, so wie bei der Scheibe auch, bei „Heartbroken Soul“ mal die Doubles kurz rein. Wer kann, der kann.

Mario:
Im Endeffekt war es so, dass der Alex es eigentlich nicht mehr kann und gesagt hat, er will noch mal gefordert werden (Gelächter).

Alex:
Du wirst nachher auf der Bühne sehen, wie ich mich langweile (grinst).

FFM-Rock:
Eine Frage, die eigentlich gestellt werden muss und nach Aufklärung verlangt: „Mirrorworld“ beinhaltet auf der Jewel-Case Version 9 Songs mit 36 Minuten Spielzeit und in der limitierten Digi Pack Version noch einmal 7 weitere Stücke. Wie erklärt sich das?

Mario:
Fakt ist ganz einfach, dass wir mit unserer Plattenfirma diese Entscheidung getroffen haben. Wir sind ja eine „Newcomer-Band“, auch wenn natürlich etablierte Musiker da mitspielen. Das muss man natürlich dem Kunden nahebringen. Es ist heute verdammt schwer, CDs zu verkaufen – durch die Downloads etc. –, das weiß jeder. Um dann mithalten zu können in der Major-Politik, die CDs zwischen 5,99 € und 9,99 € anpreisen -, haben wir gesagt, wir specken die Erste ein bisschen ab. Somit können Leute, die bei uns reinhören wollen, einfach die CD für nen 10er mitnehmen, und die eingesessenen Fans sollen mit der Limited bedient werden.

Alex:
Und dafür gibt es dann halt auch entsprechend mehr Songs. Also hat jeder was davon. Die günstige CD ist halt einfach günstig, hat so viel, wie die Platten früher gehabt haben, aber die lange CD ist dann halt wirklich nicht nur zwei Stücke mehr, sondern da haben wir richtig drauf gehauen.

FFM-Rock:
Aber da ist doch auch der Wunsch der Vater des Gedanken von der Band: Wenn ich jetzt bei namhaften Geschäften sehe, die ihre Platten und CDs an den Mann bringen wollen, dass die CD mit 9 Songs ein Euro billiger ist als das Digi-Pack mit 16 Songs oder bei Online-Händlern die CD für 12 € angeboten wird…

Mario:
Du musst dir das mal so vorstellen: Eine große Band wie METALLICA oder so was, die lassen da nicht 20.000 Stück herstellen, sondern zwei Millionen. Dann errechnet sich das natürlich in einer ganz anderen Weise. Bei uns ist es so, dass wir, wie gesagt, mit dem zweiten Album jetzt – wieder – in die Charts eingestiegen sind und sogar in der Schweiz. In den USA und Österreich sind wir da knapp vorbeigeschossen. Das ist für ein zweites Album wahnsinnig gut. Deswegen haben wir die Entscheidung getroffen: Ok, die Leute, die uns noch nicht kennen, die bedienen wir mit neuen, wirklich starken Tracks, die du auch zum Review bekommen hast und für die anderen, die Blut geleckt haben, die können sich das Digi-Pack noch kaufen. Das sind ja mehr oder weniger fast zwei CDs. Für die Die-Hard-Fans haben wir noch den Rucksack-Wahnsinn gemacht, mit T-Shirt und Rucksack und vier CDs. Haben da noch eine Compilation zusammengestellt von unseren Lieblingsbands, die wir beigelegt haben. Also, wir haben uns richtig Mühe gegeben, und wir haben vor, das fortzuführen. Ich glaube, es ist auch gut, wenn uns Leute noch nicht kennen, werden sie für nen 10er die Platte zusätzlich mitnehmen.

Alex:
Du musst dir in der heutigen Zeit was einfallen lassen. Man schaut nicht einfach nur, wie kann ich jetzt CDs verkaufen, man muss halt irgendwie versuchen, das Ganze auch kundenfreundlich zu machen. Man hat ja die Fans, die auch im Kontakt zur Band stehen, und man fragt sich, wie mach ich was, was beiden zugute kommt. Wie bei den Live-Shows auch. Wenn dann die Leute zum Konzert kommen, ist es super und wir freuen uns, und die bekommen auch was dafür. Wir tun alles, damit die einen Super-Abend haben und wir auch. Und das ist das, warum man sich vorher solche Gedanken macht.

FFM-Rock:
Diese Frage bekommen all meine Interviewpartner gestellt. Könnt ihr mal eine lustige Anekdote von einer Show oder aus dem Proberaum zum Besten geben, die noch nicht veröffentlicht wurde? Ihr dürft hier gerne auch die aktuelle Tour mit einbeziehen.

Alex:
Da muss ich mal kurz überlegen… Pannen …. Das ist heutzutage eigentlich nicht mehr so lustig. Ach doch, da war schon ne geile Sache, und zwar war das die Wacken-Show. Da haben wir so einen speziellen Part für die Zuschauer gemacht, den „Crowd-Part“ nennen wir den. Das war echt witzig, weil im Endeffekt hat dann der eine Gitarrist – den Namen nenne ich jetzt nicht (lacht) – nen Schoppen Bier vor der Show getrunken (weil es so spät war, wir haben irgendwie um halb zwei nachts gespielt), und dann ging’s halt zu diesem SCORPIONS-Fetzen, den wir für die Leute spielen – just in dem Moment ist es ihm nicht mehr eingefallen.

Mario:
Wir haben miteinander gestoppt, aber es kommt ja dazu, dass wir im Shuttle-Bus gesagt haben, nein, wir spielen heute den Part nicht. Auf der Bühne hat der Keyboarder noch entschieden, wir spielen den Part, und keiner von uns hat was gewusst. Wir haben einfach den Part angestimmt, und der Alex ist natürlich drauf eingestiegen, weil der Alex gedacht hat, ok, alle anderen wissen Bescheid.

Alex:
Aber die Konsequenz ist ja folgende: Dass wir halt einfach auf der Bühne waren, manche Musiker haben gewusst, wir spielen den, oder auch nicht, wie auch immer. Auf jeden Fall haben wir angefangen, und dann ging es zu dem Fetzen von den SCORPIONS „Rock you like a Hurricane“, und plötzlich war beim Refrain Schluss. Alle haben sich angeguckt - Ok, nächster Song (schallendes Gelächter).

FFM-Rock:
So, dann sind wir auch schon am Ende der Fragerei. Zum Schluss bitte noch einige persönliche Worte an unsere Leser und eure Fans.

Mario:
Herzlichen Dank erst einmal für die Treue. Wir haben nicht gedacht, dass wir bereits so eine Fan-Base haben, dass wir wieder in die Charts einsteigen. Man merkt es auch auf der Tour, dass mehr Leute auf einen aufmerksam werden. Wir sind wahnsinnig stolz darauf, und wir sagen Danke dafür. Ohne unsere Fans wäre das nicht möglich.

Alex:
Da kann ich mich nur anschließen. Es läuft alles gut, auch die erste Headliner-Tour, da muss man ja immer so ein bisschen kalkulieren. Die Leute, die uns bis jetzt gesehen haben, sind sehr enthusiastisch mitgegangen, und es macht echt tierisch Spaß. Man sieht, dass die Leute, die Fans, mit dem Herzen völlig dabei sind, und das ist irgendwie schon so ein eigenes Phänomen. Das ist super! Danke! Kauft alle CDs, Platten und Rucksäcke (Gelächter).

Danke für das Interview, alles Gute für die Zukunft und heute Abend eine schöne Show!

Mike von FFM-Rock                                                              Foto by Hans-W. Rock