Konzert vom 03.02.17

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LACRIMAS PROFUNDERE
A LIFE DEVIDED

Manchmal hält die Tourwelt ihre eigenen Gesetze parat. Warum die ausgerechnet im Colos-Saal dann ihre Anwendung finden müssen, hat sich mir bisher noch nicht erschlossen. Wovon ich rede? Double-Headliner-Touren und die damit verbundenen Erlebnisse in Aschaffenburg. Auf den Seiten der beteiligten Bands liest und sieht man Fotos von gut gefüllten Spielstätten der laufenden Tour und dann kommt der Tross nach Unterfranken und alles ist anders.

21 Bandjahre und 11 Alben haben LACRIMAS PROFUNDERE vorzuweisen und eröffnen zu meiner Verwunderung den heutigen Konzertabend. Ein Blick auf die prall gefüllte Setlist erklärte u. a. die Anwesenheit von vielen Mädels vor der Bühne. Mehrheitlich Stücke vom aktuellen Longplayer „Hope Is Here“ (6) und seinem Vorgänger “Antiadore” (5), dem vermutlich besten Album der Bandgeschichte. Ohne große Unterbrechungen zwischen den ersten Titeln starteten die bayrischen Dark Rocker mit ihren melancholisch tiefgründigen Songs. Sänger Roberto Vitacca schaffte es sofort, mit seiner emotionsgeladenen Stimme die Blicke und Aufmerksamkeit der Gäste an sich zu binden. Störend hierbei für den hinteren Teil der Zuhörer die tröpfelweise kommenden Nachzügler. Unter viel Nebel, blauem und rotem Licht breitete sich die erforderliche düstere Grundstimmung mehr und mehr aus. Meinen vollen Hörgenuss störten jedoch der recht laute Bass und das noch lautere Schlagzeug, wodurch z. B. das sanfte „Hope Is Here“ zu leiden hatte und der eigentliche psychedelische Effekt verpuffte. Aber egal, auch bei meinem vierten LACRIMAS-Konzert konnte mich das Quintett wieder schnell fesseln und überzeugen. So räumte „The Worship Of Counting Down”, das live einen Zacken härter gespielt wurde, ab. Unverzichtbar wie immer “Remembrance Song” und “A Sigh”, die dankenswerter Weise direkt hintereinander gespielt wurden, stehen für mich als “must have” auf jeder Setlist dieser Band. Auch mal eine neue Erfahrung war das von Rob mit Akustikgitarre und dem Bassisten Clemens Schepperle alleine performte „Black Moon”. Im Gegensatz zu mir schienen die Damen im Saal auf “Again It’s Over” gewartet zu haben, denn hier stiegen die Reaktionen der Damenwelt deutlich an und wurden nur noch von “My Release In Pain” getoppt, zu dem A LIFE DEVIDED Sänger Jürgen Plangger mit ans Mikro sprang. Unterm Strich 75 Minuten kurzweilige und musikalisch sehr anspruchsvolle Unterhaltung.

Setlist LACRIMAS PROFUNDERE:
Awake
Antiadore
Her Occasion Of Sin
The Worship Of Couting Down
My Halo Ground
My Velvet Little Darkness
A Sigh
Remembrance Song
Hope Is Here
Black Moon
Again It’s Over
Amber Girl
My Mescaline
My Release In Pain
Pageant
Dead To Me
Dear Amy
-----------
A Pearl
Ave End



Mit A LIFE DEVIDED verbanden mich bis jetzt keine Berührungspunkte. Um 2007 herum kam mir ihre Mucke mal unter, was damals aber an meinem Geschmack vorbei ging. Aus den Augen, aus dem Sinn. Als mir heute jemand erzählte, dass der Bandgründer und Sänger Jürgen Plangger bei der Band EISBRECHER die Gitarre spielt, berührte mich das auch nicht weiter, da diese auch nicht zu meinem bevorzugten Musikpool gehören. Interessanter fand ich da schon, dass Tony Berger, der eben noch neben Oliver Schmid bei LACRIMAS an der Gitarre stand, auch hier wieder mit von der Partie war. Optisch nicht nur durch die mittlerweile abgelegte Lederjacke auffällig, nein, er geht bei ALD wesentlicher agiler zur Sache. Dies dürfte aber auch am Frontmann liegen, um den sich bei den süddeutschen Pop/Dark Rockern alles dreht. Sein zweistimmiger Gesang, der von Cleanvocals bis hin zu Core Shouts reicht, kommt besonders bei den Damen gut an, die man getrost als “ein Mann mehr” im Backgesang beim Refrain bezeichnen darf. So und auch mit seiner Performance erinnerte er mich hier und da an Tobias Regner (Ex-SACARIUM), der seine Seele damals an DSDS verkaufte. Das recht modern ausgerichtete Songmaterial ist durchweg eingängig und mit vielen Keyboard Samples unterlegt, wobei das Tasteninstrument während des Konzerts komplett vom Band kommt. Dazu zähle ich auch die Chöre. Auch wenn hier der Retortencharakter nicht geleugnet werden kann, das alles passt irgendwie zu den teils mit richtig Pop Attitüden beladenen Gesangslinien. Wie sagte dazu ein Kollege in Aschaffenburg: tanzbarer Rock. Das trifft den Nagel auf den Kopf.
Tja, und zum Abschluss komme ich dann nochmals auf das Phänomen Doubleheadliner im Colos-Saal zurück. Auch ALD traf es mit den während der Show abwandernden Gästen. Da konnte sich der gute Jürgen am Mikro und seiner Klampfe mühen wie er wollte, aber fast die Hälfte der knapp 200 Konzertbesucher sahen das Finale von ALD nach dem ebenfalls 75-minütigen Auftritt nicht mehr.

Setlist A LIFE DEVIDED:
Lost
Drive
Change
Right Where I Belong
Walking In My Shoes
On The Edge
Apology
Own Mistake
Burst
Other Side
Doesn’t Count
Perpethual
Inside Me
Words Live
Space (Unplugged)
Heart On Fire
Last Dance
Lay Me Down