Konzert vom 10.02.17
Bands: ODIUM, [SOON], CONCEPT INSOMNIA, ANONYM

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GLOWING EMBER FESTIVALS
ODIUM
[SOON]
CONCEPT INSOMNIA
ANONYM

Mit den GLOWING EMBER FESTIVALS initiiert die Hamburger Band [SOON] in Zusammenarbeit mit ihrer Booking Agency NauntownMusic eine Veranstaltungsreihe, die sich nach derzeitiger Planung über acht Bundesländer erstrecken wird. Der Auftakt dieser Konzertreihe fand jetzt im Das Bett in Frankfurt/M. statt. Für mich aktuell einer der gemütlichsten kleineren Clubs in Frankfurt. Zusammen mit den angekündigten lokalen Bands gab es für mich keine zwei Meinungen - da musste ich hin!

Die Frankfurter Deutschrocker ANONYM erwischte ich mitten in ihren Set. Das Quintett, welches im letzten Herbst erst zum aktuellen Line Up zusammengefunden hat, kündigte gerade die Live-Premiere von „Ich bin“ an, als ich den Club betrat. Mit einem bisher veröffentlichten Longplayer im Gepäck und eben neuen Stücken vom für 2017 angekündigten 2. Album beschallten sie mit angenehmer Mucke und Klangqualität die mehr und mehr eintrudelnden Gäste. Die rock’n rolligere Variante von den ONKELZ, die teils auch Metal Schlagseite aufwies, konnte sogar mich zum Mitwippen bewegen. Ein entspannter Beginn des Abends, der so nebenbei zu einem „Familientreffen“ mit vielen alten Bekannten aus der Frankfurter Metalszene avancieren sollte. 

Wir haben versucht, es vor dem Auftritt noch eben auszudiskutieren, wann ich mein letztes Aufeinandertreffen mit CONCEPT INSOMNIA hatte. Ich bleib dabei, es war die Release-Party zum 1. Longplayer „Perpeduum Mobile“ im Nachtleben 2010. Aber das ist auch egal und zudem eine absolute Nebensache. Vielmehr möchte ich die Wiederauferstehung dieser Band beschreiben, die nach einer Babypause von Gitarrist Dave und dem Umzug vom Bassisten Phil nach Berlin im letzten Jahr wieder zusammengefunden und bereits schon neue Stücke für einen weiteren Silberling eingetütet hat. Neben SAPIENCY waren bzw. sind CONCEPT INSOMNIA das Melodic Hardcore/ Modern-/Melodic Death Metal Flaggschiff der Frankfurter Metalszene und das wurde heute Abend dick unterstrichen. Im Vordergrund des nur sieben Songs umfassenden Auftritts standen, und das überraschte mich positiv, vier Titel von „Perpetuum Mobile“. Mit der wieder erstarkten Härte und einem angeglichenem modernen Anstrich klangen die Stücke fast wie neu erschaffen. Genau diesem Umstand mochte ich schon seit je her bei dem Quartett. Erst eine EP veröffentlicht, dann mit einigem Abstand der dazu folgende Longplayer mit den Songs der EP hinterher geschoben, die da dann aber schon wieder ganz anders neu eingespielt wurden. So auch heute wieder. Der Mix aus Clean Vocals und leichten Growls von Fronter Luke Hofmeister im Zusammenspiel mit den aggressiven Growls vom Bassisten sowie den Shouts und Growls vom Gitarristen während der Songs waren selbst für mich wieder ein völlig neues Erlebnis. Hätte ich die Melodien und Refrains nicht ge- bzw. erkannt, ich hätte geschworen, das sind neue Songs. Diese allerdings erkannte ich auch ohne Ansage. Da kommt nämlich wieder etwas Neues auf den Fan zu. „Gravity“ ist mit viel Synthesizer unterlegt und einer zweiten Stimme versehen, die hier im Bett vom Band kamen. Ähnlich verhielt sich das auch bei „My Squared Hourglass“. Junge, Junge, das war ein Restart.

Nach dem Einsatz dieser Abrissbirne eben hatten es [SOON] anfangs schon etwas schwer, den Anschluss zu finden und das, obwohl sie neben ODIUM doch die größte Fangemeinde am Start hatten. Der Dark Rock/Metal der Hansestädter ist aber auch nicht auf Power ausgelegt, sondern segelt in sphärischen und tiefgründigeren Fahrwassern. Für einige, die das Trio nicht kannten, stellte sich zunächst die Frage zum fehlenden Bassisten. Zur Auflösung dieser Fragestellung legen [SOON] Wert darauf, dass dieser Part vom Gitarristen Lenny mit übernommen und nicht wie das Keyboard auch vom Band eingespielt wird. Dies ergibt mehr Platz und Freiraum für Sänger Eric, der sich wie immer rast- und ruhelos über die ganze Breite und Tiefe der Bühne bewegt und gefühlt keine fünf Sekunden an einer Stelle inne hält. Ganz anders als bei der Vorband lauschten und genossen die Fans den Melodien und dem Gesang während der Stücke. Ähnlich dem Verhalten vieler Prog-Fans war über weite Strecken Regungslosigkeit, bei den bekannteren Sachen jedoch auch Mitwippen zu verzeichnen, ehe am Songende ordentlich applaudiert wurde. Bei [SOON] galt es, das im letzten Jahr veröffentlichte Studioalbum „Better Days“ noch ein wenig zu promoten, und so bestand die Setlist aus sechs von elf Stücken dieser vierten Langrille. Mit Jakob hatten die Hamburger auch einen für mich neuen und technisch sehr versierten Schlagzeuger am Start, der dem eigenen, sehr hohen musikalischen Standard durchaus gerecht wird. Ohne große Überraschungen ging nach gut einer Stunde Spielzeit der nächste unterhaltsame Auftritt des Abends zu Ende.

ODIUM, den neben TANKARD wohl bekanntesten Thrashern aus dem Raum Frankfurt/M., gebührte der Headliner Part dieses Festivals, der durch die größte Anzahl mitgereister Fans zudem unterstrichen wurde. Mit einer zum Vorjahr kräftig durchgemischten Setlist startete das Quintett auftrittstechnisch ins Jahr 2017, das mit dem Titelsong des aktuellen Albums „Science Of Dying“ gestartet wurde. Zu meiner Freude waren auch heute wieder einige Stücke der Pre-Ralf-Runkel-Sänger-Ära am Start und diese wurde gleich zu Beginn mit „Abyss“ gestartet. Ralf machte, trotz wirklich starker Erkältung, auch diese Lieder zu seinen eigenen. Mehr Stimmung wie bei diesem Song ging fast nicht mehr. Das Eis, der Bann und was auch immer war gebrochen, und sogar der Nichtkenner der Band ging den fälligen Schritt nach vorne Richtung Bühne. Schaute man sich den heutigen Auftritt entspannt von hinten her an, konnte ein Band-Insider schnell feststellen, dass diese an Professionalität zugelegt haben. Das fing vom Bühnenbild her mit z. B. den Bannern an, ging weiter über die verbaute Technik an den einzelnen Spielgeräten (der Runkelsche Kabelknoten ist z. B. Geschichte), aber auch an der Performance hatte man weitergearbeitet. Neben den Ohren hat das jetzt fast schon etwas fürs Auge und damit schließe ich auch die Bassistin Beli Ann Smaka ein, die immer mehr aus sich herausgeht. Das alles macht für den Betrachter Spaß und rockt, zumal der reine Thrash Anteil mehr und mehr dem Power Metal weicht. Für Fannähe und Unterhaltung sorgte auch der Ausflug ins Publikum von Sänger Ralf Runkel bei „Beast By Society“. Dem nicht genug erstürmte der ARCHITECT OF CHAOS Schlagzeuger Dominik die Bühne und begab sich zu Rochus Paff (git.) als zusätzlicher Chorsänger ans Mikro. Gestutzt haben direkt im Anschluss nicht nur ich, sondern auch die eingefleischten ODIUM-Fans, als „At The Tomp“ vom 2001er Album „The New Beginning“ angespielt wurde. Klasse Sache, den Song habe ich gefühlt schon eine Ewigkeit nicht mehr gehört. Nachdem man in der Folge mit „The Answer“ vom aktuellen Album noch einmal alle Reserven im Publikum mobilisiert hatte, ließ man den Testballon für das kommende Album in Form des Stückes „The End Of Everything“ steigen. Auch diese typische ODIUM Thrash/Powermetal Granate dürfte zukünftig auf jeder Setlist ihren verdienten Platz finden. Bei allem Lob muss ich aber als Kritikpunkte die übertrieben vielen Nebelkanonenausstöße ansprechen, die nicht nur den Anwesenden die Luft zum Atmen raubte, sondern auch dem eh schon angeschlagenen Sänger nochmals zusetzte. Warum zusätzlich die Lautstärke bis an die Schmerzgrenze hochgeregelt wurde, obwohl die bei den Bands zuvor völlig in Ordnung und bestens abgestimmt war, entzieht sich ebenfalls meiner Kenntnis. Sei’s drum.

Das war ein Auftakt einer Konzertreihe, die ihresgleichen sucht. Ich wünsche den Veranstaltern bei allen geplanten Events ein so glückliches Händchen bei der Auswahl der Bands, der Location und einem so dankbaren Publikum wie hier in Frankfurt.