Konzert vom 05.04.17
Support: CRYSTAL VIPER, THOBBE ENGLUND, REXORIA

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BLOODBOUND
CRYSTAL VIPER
THOBBE ENGLUND
REXORIA

Kultur, Natur und Musik miteinander verbinden ist durchaus möglich. Ich hatte es in Weinheim mal wieder erlebt, denn mit einem freien Tag im Rücken reiste ich schon nachmittags in die Kleinstadt an der Bergstraße an und spazierte durch den Schlossgarten sowie den Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof und bummelte direkt im Anschluss noch durch die kleine Altstadt. Tiefenentspannt und mit frei geräumtem Kopf ging es dann direkt in den fast 5-stündigen Konzertabend über.

Ab 19.15 Uhr mühten sich für die ersten 30 Konzertminuten REXORIA aus Schweden, die erst langsam eintrudelnden Gäste zu unterhalten und anzuwärmen. Viele wussten von der Existenz des female fronted Melodic Metal Quartetts (man trat ohne Bassisten auf) im Billing auch gar nichts. Ob sie sich an ihre Stippvisite in Weinheim auf ihrer ersten Europa Tour überhaupt lange erinnern werden, mag ich nicht zu beurteilen. Stellung kann ich allerdings zu den unterirdischen Soundverhältnissen und den statisch eingeschalteten Funzeln (andere würden es als Licht bezeichnen) beziehen, was ich als eine Frechheit ggü. der Band und den zahlenden Gäste kritisieren muss. Daher verdienten die vier, auch wenn sie meine Geschmacksnerven nicht stimulieren konnten, meinen Respekt und erspielten sich die ungeteilte Aufmerksamkeit der ersten vier Reihen vor der Bühne und den Applaus der meisten Anwesenden.

Mal bei SABATON gespielt zu haben, muss nichts heißen, wie die ehemaligen und jetzt unter dem Banner von CIVIL WAR firmierenden Ex-Mitglieder schon feststellen mussten. Den nächsten Versuch startete Gitarrist Thorbjörn Englund  mit seiner Solo-Band THOBBE ENGLUND auf dieser Tour. Nicht wenige der bis dahin schon zahlreichen Anwesenden outeten sich hier als SABATON-Sympathisanten und bereiteten ihrem Hero einen mehr als lautstarken Empfang, von dem er sich mehrmals sichtlich gerührt zeigte. Wie ich schon während meiner Rezension zu seinem Debütalbum „Sold My Soul“ vermutete, haben die dort enthaltenen Songs durchaus Live-Qualitäten. Und genau das bewahrheitete sich in den kommenden 45 Minuten Spielzeit (+ Intro mit dem Thema von Paulchen Panther). Über Stimme und Gesang konnte man streiten - rotzig rau, rockig, ehrlich, leidenschaftlich (man kann sogar sagen, dass seine Ansagen von einem Singer/Songwriter hätten stammen können), aber auch wenig flexibel - aber sie passte zu seiner Musik. Alles Songs aus dem Leben und vom Debütalbum, die er mit seinen drei Mitstreitern hier auslebte.  Er legte auch großen Wert auf die Bezeichnung „Band“ und gestand nebenbei dem Publikum ein, noch eine zweite Frau zu haben, wobei er auf seine Fender Stratocaster zeigte. Die Strat, dieser Klang, dieses Spiel von Thobbe. Wer kennt das Gitarrenspiel eines Ritchie Blackmore und das eines Axel Rudi Pell? Der weiß, was ich meine. Thobbe’s Solo zum Instrumental „Break The Chains“ brachte das alles auf den Punkt und stellte für mich den Höhepunkt seines Auftrittes dar. Andere Zuhörer sahen das optisch gesehen vielleicht etwas anders, was man an Tanzbewegungen bei den rockigen und den gereckten Armen in Verbindung mit wehenden Haaren bei den metallischeren Stücken hautnah miterleben konnte. Thobbe mit seinen Jungs waren im Nachhinein betrachtet für mich die Gewinner der Herzen an diesem Konzertabend.

Die kleinste gemeinsame Komponente bildeten heute die Sängerinnen in Bezug auf ihre Körpergröße. Von weiter hinten aus gesehen hatte ich manchmal echte Probleme die kleine Marta Gabriel hinter ihrer Gitarre und ihrem Mikrofonständer auszumachen. Ganz anders verhielt sich das beim Sound, denn der war brachial laut, und das änderte sich auch bis zum Ende des 55-minütigen Stelldicheins von CRYSTAL VIPER nicht. Dem kleinen Energiebündel darf man generell eine gute Power Metal Stimme attestieren, die leider mit viel zu viel Hall unterlegt war und mir dadurch durch die häufig extremen Höhenlagen in den Songs recht schnell auf den Keks ging. David DeFeis von VIRIGIN STEELE sollte sie auf jeden Fall mal im Auge behalten, falls er die Höhenlagen nicht mehr selbst erklimmen kann. Am besten gefiel mir Frau Gabriel hier deshalb auch beim langsameren “When The Sun Goes Down”.  Dass das anwesende Publikum nicht immer mit meiner Meinung konform ging, konnte man an den allgemeinen Reaktionen bei einigen Stücken des polnischen 4ers feststellen. So wurden „Night Prowler“ oder „Flames And Blood“ nicht nur bei ihrer Ankündigung lautstark abgefeiert. Nein, letzteres Stück wurde fast schon zelebriert. Geschmäcker sind nun mal bekanntlich verschieden. Auf der neuen Platte “Queen Of The Witches” klang das alles auch um Längen angenehmer als heute Abend hier. So blieben mir von der Setlist dann auch nur der Titeltrack des eben erwähnten neuen Longplayers, der vorgenannte langsamere Song (auch von diesem Album) und das MANOWARische „Gladiator, Die By The Blade“ nachhaltig hängen. Mal sehen, vielleicht versuchen wir das an anderer Stelle nochmal mit dem musikalischen Anfreunden.

Setlist CRYSTAL VIPER:
The Witch Is Back
Night Prowler
Night of the Sin
Witch's Mark
When the Sun Goes Down
Flames and Blood
The Greed Is Blind
I Fear No Evil
Gladiator, Die By the Blade
The Last Axeman
Metal Nation

Zum Abschluss eines für mich langen Tages dann auf zum letzten Akt: BLOODBOUND. Zum wievielten Mal hab ich die eigentlich jetzt gesehen? Spinnen wir die Fragerei gleich weiter. Wie oft habe ich sie davon jeweils im originalen Line Up gesehen? Fragen über Fragen und keine Antworten. Zumindest kann ich hier die Personalien der Fremdkörper der laufenden Tour nennen: Karl Löfgren (dr., BILLION DOLLAR BABIES) spielt die Tour am immer noch vakanten Posten an den Drums; Anders Broman (b.), der wegen Babypause zu Hause geblieben ist, kommt komplett vom Band und für Henrik Olsson (git.) spielt Thorbjörn Englund, der sich nach seiner eigenen Show vor gut ner Stunde eiligst trockengefönt hatte, die Rhythmusgitarre. Aber egal, was und wie es kommt, BLOODBOUND haben ihre Fanbase und die war auch in Weinheim zahlreich und sehr lautstark am Start. Wie sonst soll man erklären, dass Frontmann Patrik J Selleby (nein, kein weiterer Neuer, nur eine Änderung des Nachnamens nach seiner Hochzeit) dem textsicheren Publikum die Refrainpassagen bei „In The Name Of Metal“ freiwillig überließ, nachdem die ihn gleich zu Beginn schon überstimmt hatten. Bleiben wir doch gleich beim Outfit des über die gesamte Setzeit sehr zielgenau interagierenden Sangesbarden aus Schweden. Teuflisch sah er mit den beiden Hörnchen auf der Glatze und der großflächigen Brandnarbe am linken Auge aus. Das passte aber gut zum oft roten Bühnenlicht und den übertrieben vielen Nebelsäulen im eh schon zu Saunatemperaturen aufgeheizten kleinen Cafe Central Club. Auch wenn der Sound mich zu einem weiteren „ähm“ hat hinreißen lassen, musste man feststellen, dass die Schweden über 90 Minuten hinweg hier was gerissen haben. „Stormborn“, „Moira“ und auch „Fallen Heroes“ vom neuen Album gaben hierfür die besten Beispiele ab. Letzteres dürfte dem Thobbe beim Rhythmusspiel recht leicht gefallen sein, da er ähnliches bei SABATON schon recht häufig hatte spielen müssen. Eine gewohnt zuverlässige und unterhaltsame Show, die hier trotz widriger Platz-, Sound- und Lichtverhältnisse geboten wurde. Unzufriedene Gesichter dürfte es bei Durchsicht der Setlist auch nicht geben (gegeben haben). Meinen Sitzplatz mit einbezogen, ein für mich recht entspannter Konzertabend. Danke dafür an alle Beteiligten.

Setlist BLOODBOUND:
Iron Throne
War of Dragons
Stand and Fight
In the Name of Metal
Stormborn
When All Lights Fail
Moria
Battle in the Sky
Fallen Heroes
Nightmares From the Grave
Silver Wings
Metalheads Unite
Dragons Are Forever
Nosferatu
Made of Steel