Festival vom 02.-04.06.17

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ROCK HARD FESTIVAL

Festival-Freitag, 02.06.17

Einmal im Jahr zu Pfingsten lockt das ROCKHARD-Festival im Amphitheater ins Gelände vom Nordsternpark, dessen kunstvoll geschwungene Brückenbögen und der massive Zechenturm nur zwei von mehreren Merkmalen der landschaftlich inmitten der Natur am Rhein-Herne-Kanal eingebetteten Anlage, die für mich zu den schönsten Konzertarenen innerhalb Deutschlands gehört. Nach langer Anreise per Bus, Bahn und Taxi (mit Stau in brütender Hitze auf der Autobahn!) etwa um 15:15 am Nachmittag eintreffend, Bändchen geholt, Campingplatz gesucht, wird in brütender Hitze das Zelt aufgebaut – eine Tortur für jemanden wie mich, der heiße Sommertemperaturen ab 27 ° aufwärts die zwischen 30 – 35 liegen überhaupt nicht mag. Die Suche nach dem geeigneten Fleckchen für das Zelt verläuft erfolgreich. Obwohl der nach reiflich überlegter Entscheidung aufgesuchte Platz für mein Zelt bestens gewählt ist, sticht die Sonne von oben erbarmungslos brutal, massives Schwitzen unvermeidbar. Problem: Wasservorrat verbraucht! Es wird zunehmend beschwerlicher. Meine Augen brennen regelrecht vor Schweiß, ein Gefühl wie im Backofen! Der Festivaleröffnungsgig von DUST BOLT geht komplett flöten, während mich die Kräfte zunehmend verlassen. Nachdem das Zelt endlich aufgebaut ist, führt mein Weg zügigen Schrittes zur Location.Die 15. Auflage des ROCKHARD-FESTIVALS wartet mit einem abwechslungsreichen Billing auf.

ROBERT PEHRSSON'S HUMBUCKER

bekomme ich noch die restlichen 10 Minuten mit. Was ich höre und sehe, weiß zu gefallen. Schade, dass der schwierige Zeltaufbau in sengender Hitze (die Sonne knallt unerbittlich!) zu viel Zeit und Kraft kostete, um es rechtzeitig zu packen, mir die gesamte ROBERT PEHRSSON-Performance zu geben. Der Gitarrenklang ist sauber wie geleckt, der klassische alter Heldenschaft aus dem 70er-Fokus - THIN LIZZY, UFO, KISS, DEEP PURPLE, RAINBOW & Co. huldigende Hardrock eigener Stilnote weiß die Fans im Rund zu begeistern. ROBERT PEHRSSON'S HUMBUCKER gelingt es, trotz für mich traurigerweise zu 75 % entfallener Performance (!) binnen weniger Minuten Appetit auf's Festival zu wecken, was deutlich für die Qualitäten der Schweden spricht.

Nach ROBERT PEHRSSON'S HUMBUCKER...

Der Körper fängt an zu dehydrieren, mir wird fast schwarz vor Augen, der Kreislauf steht kurz vor dem Kollabieren. Zeit für massive Flüssigkeitsaufnahme. An der Getränketheke werden schnell zwei Becher Wasser bestellt, danach begibt sich meine Wenigkeit direkt nach unten auf den Ring. Zunächst nur setzen, mangelnden Wasserhaushalt ausgleichen, Körper innerlich stabilisieren, zur Ruhe kommen, Kraft tanken. Nach etwa 20 Minuten macht sich der noch rechtzeitig erfolgte Wasserausgleich im Körper deutlich bemerkbar. Ich bin wieder aufnahmefähig und kampfbereit.

MANTAR

bilden genau den extremen Gegensatz dessen, wo kurz vorher noch 70er-Jahre inspirierter Hardrock regierte. Innerhalb der nächsten Dreiviertelstunde dominiert eine brandgefährlich siedend heiße Mischung aus Sludge-, Black, Death-, Doom-, und Punk! Die Konzentration dieses phänomenalen Duos richtet sich häufig an einem Beat aus, die Grundstruktur, um die herum sich alles aufbaut. Hier klingt alles wie auf Studiotonträger, unverfälscht echt. Das Schlagzeug steht nicht wie üblich nach vorn, sondern seitlich ausgerichtet, worüber sich all diejenigen wundern, die MANTAR bisher noch nicht kannten. Wer es weiß, genießt und schweigt. Während Hanno es sich neben den Duellen mit seinem Gegenüber Erinc nicht nehmen lässt, öfters auch mit seiner Sechssaitigen posierend in wildem Takt über die Bühne hüpfend seinen Blick ins Rund auszurichten, das von der ungewohnt seltsamen Vorstellung sowohl fasziniert, beeindruckt, erstaunt oder schlichtweg auch gelangweilt ist, zeigen sich unterschiedliche Reaktionen, die ein klares Bild ergeben. Erinc richtet neben dem Schlagzeugspiel seinen Kopf auch mal zur Seite um tief ins Mikro zu growlen. MANTAR werden ihren Lobhuldigungen im Vorfeld gerecht. Das schräge Holländerduo punktet nicht durch hohes technisches Können, sondern aggressiv rohe, durch Mark und Bein gehend aufrüttelnde Grooves bei ausgeglichenem Konstanzlevel, was an Wutklumpen im Format „Era Burealis“ erkennbar wird.

THE DEAD DAISIES

THE DEAD DAISIES, was ist denn das (?) wird manch einer im Vorfeld gedacht haben, das diese nächsten 60 Minuten gestandenen alten Hasen gehören, die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt haben, wird jedoch bereits nach wenigen Minuten deutlich. Auf der Bühne stehen keine grünen Jungs, dafür eine Riege bewährter Musiker, die ehemals bei solch völlig unbekannten Formationen (Achtung, Witz!) wie MÖTLEY CRÜE und WHITESNAKE aktiv waren. Der cool vorgetragene massenkompatibel gestaltete Stadionrock-Mix aus AEROSMITH, MÖTLEY CRÜE, CRAZY LIXX, alten BON JOVI, WHITE SNAKE usw., verfehlt seine Wirkung auf's Publikum nicht. Zwar mögen es manche gern etwas kantiger, doch das hier eine mit Gourmetkost Marke „With You and I“ brillierende Band auf der Bühne steht, die klar aufzeigt, wo der gewaltige Unterschied zwischen dem breiten Feld biederer Genre-Mittelklasse und den Großen der Zunft liegt, wird schon am fett eingestellten Sound bei diesem das Classic Hardrock-Genre perfekt repräsentierenden Auftritt deutlich! Keine Frage, hier sind echte Profis am Werk, die genau wissen, wie's geht. Im Nu schnellt Stimmungslevel auf dem ROCKHARD gewaltig nach oben. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie Hardrock mit dicker Hose klingt und warum z. B. eine Combo wie MÖTLEY CRÜE trotz aller zahlreichen Skandale in den 80ern zum unangefochtenen Szene-Aushängeschild wurde oder WHITE SNAKE von der einstigen kleinen Clubband zum erfolgreichen Stadion-Rockact aufstiegen, bekommt die Antwort mit dieser Steilvorlage eindrucksvoll geliefert. THE DEAD DAISIES bringen kräftig Stimmung ins Publikum. Die Zeit bei MÖTLEY CRÜE hat auf Sänger John Corabi erheblich abgefärbt, seine Ansagen besitzen den reißerischen Touch, den es für eine auf klassischen Stadionhardrock gepolte Allstargroup wie THE DEAD DAISIES schlichtweg braucht. Die Äxte von Doug Aldrich (zu dem Ex-WHITE SNAKE-Saitenhexer muss man eigentlich keine weiteren Worte verlieren) und Bandgründer David Lowy erzeugen druckvolle Breitwand-Rockriffs am Stück, Bassist Marco Mendoza, dazu Schlagzeuger Brian Tichy bilden eine harmonisch topsicher punktgenaue Rhythmussektion. Ob ein Drumsolo bei 60 Minuten reiner Gesamtspielzeit erforderlich ist, (im Falle eines Headliner-Gigs wäre das etwas anderes), bleibt fraglich. Unabhängig dessen gelingt es den DAISIES die Mehrheit des feiernden Völkchens im Rund auf ihre Seite zu ziehen, sie werden ihrem Status vollauf gerecht, können es sich darüber hinaus abgesehen von der Tatsache, das sie genügend eigenes Studiomaterial in der Hinterhand haben, locker leisten, den schon zigfach gecoverten BEATLES-Evergreen „Helter Skelter“ im Breitwandrockformat darzubieten, um fett beim Auditorium zu punkten, ohne das es lächerlich wirkt. - Großartig! Nachdem eine Lehrstunde in Sachen Classic Hardrock beendet ist, steht mein Freitags-Highlight an, dem ich während der Umbaupause mit Hochspannung entgegen fiebere.

CANDLEMASS

Nach dem fetten Glam/Klassik-Hardrockmix der Dead Daisies, liegt es nun an der schwedischen Doomlegende CANDLEMASS, das Amphietheater am Festival-Freitagabend intensiv zähfließend Heavy zum Beben zu bringen. Nach dem Trauermarsch-Intro 'Marche Funebre' vom Band folgt ein Reigen ausgesuchter Klassiker „Born in a Tank“, „Bewitched“,“Dark Reflections“, „Gothic Stone“, „The Well of Souls“, „A Cry From The Crypt“, „Dark are the Veils of Death“, „Under The Oak“, der unverzichtbare Hitsmasher „At The Gallows End“... - was für eine Traumsetlist! Stoff für die Ewigkeit, der Doomfans ausnahmslos killend in Exstase versetzt, dem man als CANDLEMASS-Fan lieben muss. Als Zugaben „Mirror, Mirror“, „Crystal Ball“ und „Solitude“ - dargeboten von einem Mats Levén in Höchstform, der wie seine vier Mitstreiter an Äxten und Schlagzeug alles gibt. Die Die Hard-Fangemeinde der schwedischen Kultdoomer geht frenetisch mit, des öfteren gibt es auch kritische Blicke seitens der  Anhängerschaft was aber keineswegs an der Band, sondern einem bis zum Schluß komischen Sound geschuldet ist, der sich meinem Verständnis entzieht: Bass zu laut, Gesang zu leise? Gitarren, Schlagzeugsound solide. Schön und gut. So stark CANDLEMASS doomten, so inakzeptabel halbgar ist der eingestellte Sound!

Zurück bleibt ein Resultat, das etwa eine Bewertung von 8 von 10 Punkten erreicht, hätte der Sound gestimmt, könnte es die volle Höchstpunktzahl sein, so bleibt unterm Strich allenthalben bloß ein „guter“ Gig, der zum Triumphalen Epic Doom-Hammer im Amphietheater hätte werden können! CANDLEMASS wurden aufgrund ihrer Leistung und Songauswahl ihrem Status im Amphietheater absolut gerecht, das Missverhältnis zum Sound hinterlässt jedoch arg seltsamen Beigeschmack. Der Sound schwankte an allen drei Tagen bei manchen Bands erheblich! Bezüglich dieser Problematik sollten sich die Festivalmacher unbedingt etwas einfallen lassen. Das Ticket kostet schon nicht wenig, da sollte man als Fan einen ordentlich ausgesteuerten Sound erwarten dürfen.

Abschließend bemerkt:

Obwohl die Marcolin-Ära bei CANDLEMASS definitiv unerreicht bleibt, muss die Lowe-Epoche wie auch die gegenwärtige mit Vocalist Mats Levén geführte als eigene, separat davon unabhängige betrachtet werden. Mats Levén hat im Amphietheater erneut in Sachen Mimik, Gestik plus Gesang wie schon auf dem Hammer of Doom einen sauguten Job abgeliefert, wofür ihm und seiner Band ein ordentliches Maß an Respekt und Anerkennung gebührt. Eigentlich hätten CANDLEMASS den unübertreffbaren Festival-Top-Gig hingelegt, (diese Songauswahl sprach Bände!) wenn da nicht der schlecht ausgesteuerte Sound wäre, welcher den Gesamterfolg ein wenig ausbremsend im Wege stand. Das Amphietheater ist keine Halle (!) sondern ein Freigelände. Entsprechend unterliegt schwerer Doom-Metal klangtechnisch anderen Gegebenheiten als in komplett überdachter Location. Diesem Umstand zum Trotz wurden CANDLEMASS ihrem Ruf auch in Gelsenkirchen gerecht.

CANDLEMASS ließen zwölf mächtige Doom-Schellen im Amphietheater erklingen:

Marche Funebre (vom Tape)
Born in a Tank
Bewitched
Dark Reflections
Gothic Stone
The Well of Souls
A Cry from the Crypt
Dark are the Veils of Death
Under the Oak
At the Gallows End
Zugaben:
Mirror Mirror
Crystal Ball
Solitude

BLUES PILLS

Kaum 15 Minuten ist die Kerzenmesse vorbei, verwandelt sich das zu dreiviertel gefüllte Amphietheater (der geeignete Ort dafür) im Rahmen der Umbaupause optisch wie in Sachen Performance in eine Theater/ Varietébühne... - Vorhang auf, - Showtime für die BLUES PILLS!

Die Schwedisch/Franzöisch-Amerikanische Freundschaft darf den Freitag Abend mit ihrer bunt gewürfelten Retro-Mischung aus Psychedelic, Rock, Soul, Gospel, zeitweise gar in Pop-Bereiche abdriftend und Blues im Stil der 60er/70er-Epoche ausklingen lassen. Nicht alle sind von dem wie nannte es jemand neben mir (?) 'Jalla Jalla-Herumgehopse' von Sängerin Elin begeistert. Die Reaktionen im Publikum fallen unterschiedlich geteilt aus. An der Beweglichkeit der BLUES PILLS-Frontfrau, deren ausdrucksstarker Gestik, artistisch-geschmeidigen Tänzen - aufreizend im schwarzen Einteiler mit Rock zahlreich Blicke auf sich ziehend ändert es nichts, die blondhaarige Schönheit mit sympathisch offener Ausstrahlung hat es voll drauf. Sie gibt sich als Entertainerin par excellence, der ihre männlichen Bandkollegen in nichts nachstehen. Die BLUES PILLS sind merklich professioneller geworden, was nicht nur ihre Bühnendeko, sondern auch das gewachsene Selbstbewusstsein der Band zeigt. Elin Larsson und ihre Mannschaft gelten spätestens seit dem erfolgreichen letzten Jahr wo zahlreiche Konzerte 'ausverkauft' meldeten als sichere Bank für Liveauftritte. Sie öffnen einen dankbar von der treuen PILLS-Fangemeinde angenommenen Koffer vollgepackt mit bunter Vielfalt zahlreicher Hits, beginnend beim lässigen Psychedlic-Rocker „Lady of Gold“, über „Black Smoke“ zur ungeheuer sphärisch von JEFFERSON AIRPLANE gecoverten Stimmungsbombe „Don't You Want Somebody to Love“ über das TONY WHITE-Cover „Elements and Things“, ein ausgedehntes „Little Boy Preacher“, spannenden Psychedelic-Groover wie „You Gotta Try“ und „Astral Plane“ bis zum ausklingenden Soul-Bluesrockfetzer „Devil Man“ womit sich der Koffer schließt. Musikalisch wandeln die BLUES PILLS mittlerweile auf recht breit gedehnten Pfaden zwischen ABBA, FLEETWOOD MAC, JEFFERSON AIRPLANE, ARETHA FRANKLIN, JANIS JOPLIN, LED ZEPPELIN, BLUE ÖYSTER CULT und UFO. Handwerklich ist die Vorstellung der an diesem Abend teilweise Gemüter spaltenden Retrohopefuls aus Wasaland (zwischen Applaus, Bewegung und Statik der Gäste mischen sich hörbar Pfiffe), wie andernorts auch over the Top, daran gibt’s nichts zu rütteln! Der größere Publikumsanteil im Rund steht auf Seiten der BLUES PILLS, die darüber hinwegsehend ihr Programm konsequent durch ziehen. Tanzeinlagen und Weltklasse-Multifiligransoli täuschen ebenso wenig darüber hinweg das sich zeitweise auch schon mal ein wenig Eintönigkeit ausbreitet, obwohl die BLUES PILLS knisternde Stimmung erzeugen, die ihren Sympathiestatus stufenweise erhöht, was dank der kraftvollen Stimme von Sängerin Elin, deren variable Röhre geschickt zwischen Rhythm & Beat-Rock, Soul und Blues pendelt, (während sie öfters an passender Stelle kräftig ihre Mähne schüttelt) gelingt. Daneben ist es eine Augenweide, was Gitarrenwunderknabe Dorian Sorriaux aus dem Griffbrett seiner Sechsseitigen heraus holt, während der vom 60er-Jahre Psychedelic Rock durch Bands wie BLUE CHEER beeinflusste US-amerikanische Bassist Zack Anderson zusammen mit Schlagzeuger André Kvarnström eine traumhaft sichere Rhythmussektion bildet. Unterstützt wird der offiziell als Quartett gehandelte Dreiländer-Vierer von Live-Musiker Richard Nygren an Orgel und Rhythmusgitarre. Sängerin Elin kündigt ihn kurz vor „Don't You Want Somebody to Love“ an.

Die zeitweise schillernd ins Auge stechende Bühnendeko gibt dem Auftritt der flippigen Retro-Hippies sogar eine stark exotische Note. So effektvoll die Bühnengestaltung beim ersten Hinsehen wirkt, so unpassend Disco like sie durch häufig wechselnde Orange- und Lilatöne dauerhaft erscheint, irgendwie passt sie zu der im Stil einer Varietéveranstaltung geschmückten BLUES PILLS-Jamsession ins Bild, was dem Auftritt Harmonie verleiht. Die BLUES PILLS haben ihren Siegeszug in Gelsenkirchen fortgesetzt, wenngleich sie stärker um die Gunst ihres Publikums kämpfen mussten. Natürlich sind sie kein Metal, doch der Geist von ARETHA FRANKLIN der auf den Spirit von LED ZEPPELIN stößt, schwebte für die Fans der allseits begabten Multifunktions-Retrocombo 90 Minuten lang wie eine Schleierwolke über dem Amphitheater...

Mit dieser Setlist verbreiteten die BLUES PILLS Varieté-Stimmung auf hohem Niveau:

Lady in Gold
Little Boy Preacher
Black Smoke
Bliss
Bad Talkers
Won't Go Back
Little Sun
Elements and Things (Tony Joe White cover)
You Gotta Try
Astralplane
High Class Woman
Ain't No Change
Gone So Long
Somebody to Love (Jefferson Airplane cover)
Devil Man

Festival-Samstag, 03.06.17

MONUMENT

bringen am frühen Mittag ab 12:30 Uhr viel early-MAIDEN-Spirit unters Volk, das bewegliche Stageacting der Band mobilisiert sein auf klassischen Heavy Metalspirit geeichtes Publikum im Handumdrehen. Schlug der MONUMENT-Silberling „Hair of the Dog“ vor noch gar nicht allzu langer Zeit wie eine Bombe bei der traditionellen Heavy Metalfangemeinde ein, reflektiert sich dieses Resultat umso mehr im Amphietheater. Londons junge Wilde Heavy Metal Garde bringt das Publikum durch extreme Spielfreude, inklusive kraftvoller Dynamik binnen kurzer Zeit in Schwung. Da ist pausenlos Bewegung drin. Was schon auf Studiotonträger absolut mitreißend klingt, tragen MONUMENT live in die Herzen der Fans, guten alten 80er Jahre Heavy Metal, dem ein enormes Maß ganz früher IRON MAIDEN-Spirit innewohnt. Die Engländer haben mit Ex-WHITE WIZZARD-Sänger Peter Ellis einen Fronter in ihren Reihen, der häufig nahe an BRUCE DICKINSON heranreicht, die Gitarrenfraktion sorgt für ungemein viel Druck, post nebenbei angetrieben vom kräftigen Schlagzeugpunch zwischendurch gekonnt ab. Das Publikum geht heftig zu Hymnensmashern wie „Blood Red Sky“, „Midnight Queen“ oder dem epischen Powerspeed-brecher„Lionhart“ steil. Schade, das MONUMENT nur 40 Minuten bleiben, die bis zur letzten Sekunde genutzt werden. „Monument“, „Monument“-Schlachtrufe gefolgt von Standing Ovations mit Zugabeforderungen bestätigen den Engländern einen Traumstart in den Festival-Samstag. Yes! Einen besseren Opener als MONUMENT hätte das ROCKHARD-Team nicht aufbieten können!

KETZER

Sieben Jahre liegt es zurück, seit KETZER zum ersten Mal beim ROCKHARD-Festival 2010 aufgetreten sind. Damals verpasste ich sie knapp, heute ist der Rheinland-Fünfer Pflichtprogramm. Rasante Geschwindigkeitsvariationen, kantiger Drive, fließen bei KETZER so nathlos ineinander über wie die Milch in den Kaffee. postapokalyptischer Endzeitatmosphäre wandelnde Strukturen treffen Blackmetalthrash, Nummern wie das frostklirrende „Starless“ das pfeilschnelle Geschoss „Satan's Boundaries Unchained“ oder “The Fire To Conquer The World“ schwanken zwischen postapokalyptischer Endzeitatmosphäre, satten Uptempogrooves und hartem Blackmetalthrash, wovon sich allem voran der auf KETZER eingeschworene Fanblock im Rund angesprochen fühlt, während das Groß der Besucher sich abwartend zurückhält. Zwar toppen KETZER das fette Auftaktgastspiel der Engländer MONUMENT trotz ihres fleißig mitgehenden Fanblocks nicht, bezüglich Zuschauerschnitt haben sie an diesem Tag jedoch die Nase vorn, was eventuell mit dem reichlich Kontroversen im Vorfeld auslösenden Nachfolgeact zusammen hängen könnte.

THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA

was im Anschluß kommt, dürfte selbst für die Geschichte des ROCKHARD-Festivals in dieser Form bisher wohl einzigartig sein, weshalb das Amphitheater zur frühen Nachmittagszeit bestens besucht ist. THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA stehen mit Bongos, Rasseln, zwei hübsch bekleideten Backgroundsängerinnen und Keyboard auf der Bühne. Soundmässig dominiert nach klassischem Vorbild geprägter A.O.R.Melodic-Rock auf Basis entspannend zugleich exzessiv tanzbarer Tonlagen mit Richtungsweisender Tendenz der Schiene TOTO/FOREIGNER, das Geschehen, was mitunter kontroverse Publikumsmeinungen auslöst.

Für die einen ist es für de Sommersoundtrack 2017, für die anderen handelt es sich um belanglose, vom Schema bekannte AOR-Mucke. Spieltechnisch gibt’s nichts zu beklagen. Auch wenn es sich um die Band der gestandenen SOILWORK-Haudegen „Speed“ Strit und David Anderson handelt, muss man das wirklich haben? Die Antwort darauf überrascht durchaus, wenn sogar einige Black Metaller bei tanzbaren Rocknummern wie „Midnight Flyer“, „Living For The Nighttime“ oder „Something Mysterious“ ein breites Grinsen im Gesicht haben. Verkehrte Welt? Nein, sogar erstaunlich wahr! Im Grunde genommen haben viele, auch wenn sie's nicht gern zugeben ihre ersten Schritte zur harten Gitarrenmusik einstiegsweise mit AOR-Bands wie TOTO und FOREIGNER gemacht. Neben klassischer Instrumentierung (Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang) kommen Bongos und Rasseln zum Einsatz. THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA sorgen gewiss für Unterhaltung, Erstaunen, Verblüffung exotischen Festivaltouch als auch gähnende Langeweile bei all denen, die überhaupt nicht mit dem Stil des Nachtflugorchesters klar kommen. Zumindest für einen Teil des ROCKHARD-Publikums sind T.N.F.O. ein Gewinn, der andere sieht gelassen lächelnd darüber hinweg, lässt dem Nachtflugorchester seinen Spaß und hebt sich besser die Kraft für die später noch kommenden den extrem harten Gegensatz dazu bildenden schweren Acts am späteren Abend auf.

SKYCLAD

Bei SKYCLAD kommt richtig lockere Stimmung im Rund auf. Schön, die irischen Folkmetaller endlich mal wieder live zu sehen. Keyboards und Violine gehören bei SKYCLAD dazu, wie die Butter aufs Brot. Violinistin Georgina Biddle fehlt heute, worüber ich mich zunächst wundere, es dann später aus sicherer Quelle heraus erfahre, sie musste krankheitsbedingt zu Hause bleiben. Markiert schon der Einstieg mit „Spinning Jenny“ (vom 2. Album „A Burnt Offering for the Bone Idol“) den gelungenen Auftakt, folgt ein repräsentativer Querschnitt durch insgesamt sechs verschiedene SKYCLAD-Alben u. a. „Starstruck“, „Another Fine Mess“ oder die unverhohlen Polit-kritische Äußerung „The Parliament of Fools“ lassen keinen SKYCLAD-Fan lange kalt. Ausgelassene Tanzstimmung garantiert auch der schnelle PartyThrashkracher „Another drinking Song“. Großartig, was die beiden SATANisten Graeme Englisch (Bass) und Steve Ramsey (Gitarre) zusammen mit Dave Pugh und SKYCLAD-Bandleader Kevin Ridley (der zwischendurch öfters von der akustischen Gitarre Gebrauch macht), hochwertig durch Drummer Arron Walton ergänzt, veranstalten. Mit einem Klassiker der populären Landsleute THIN LIZZY kann man so gut wie nichts falsch machen. „Emerald“ wird in knackiger Version vor begeisternd mitgehender Fan- Kulisse zelebriert, das es sogar auf den Sitzbänken mitreißt, ehe „Thinking Allowed?“ - ebenfalls unverzichtbarer Standard im Liverepertoire - den Auftritt der Inselfolkmetaller würdig beschließt. Das einzige, was hier nicht immer passte, war erneut der wiederum recht schwankende Sound.

ASPHYX

Massen von Leuten strömen ins Amphitheater, den Grund liefert eine holländische Doom-Death-Metalinstitution besser bekannt unter dem Namen ASPHYX. Die holländische Dampframme macht ihrem Ruf Ehre. Martin van Drunen massakriert seine Stimmbänder nach allen Regeln der Kunst. Das dieser Mann zu den besten auf dem Todesblei- Sektor gehört, zeigt sich an der ganzen Art, wie dreckig langgezogen variabel er seine fiesen Deathgrowls rausröhrt, seine Band und die Fans permanent antreibt, was auch an den Grimassen des Fronters ersichtlich wird. ASPHYX feuern aus allen Rohren, das holländische Death/Doom-Schlachtschiff gibt eine Breitseite nach der anderen ab, feuert aus allen Rohren! So immens druckvoll wie bei ASPHYX hätte ich mir den Sound am Freitag bei CANDLEMASS gewünscht.

Paul Baayens und Alvin Zuur (Bass) posen als effektiv aufeinander abgestimmte Gitarrenfraktion zu intensiv alles niedermachenden Doom/Deathmetal-Zerstörern vom Kaliber „Candiru“, „Wardroid“, „Ms Bismarck“, „Deathhammer“, „Forerunners of the Apocalypse“, sowie dem unverzichtbaren Schwerkaliber „Last One On Earth“ als krönenden Schlußakkord gekonnt, dabei sogar auffällig oft zusammen mit ihrem Bandleader zu dritt am Bühnenrand, während Drummer Stefan „Husky“ Hüskens - für mich der vielleicht beste Drummer auf dem Extremmetal-Sektor hierzulande (auch als amtlicher Felleverdrescher tragendes Element bei den Koblenzer Blackmetal-Thrashern DESASTER), sein Schlagzeug so extrem kraftvoll mit soviel massiv geballter Wucht bearbeitet, das seine Vorderleute ausnahmslos gezwungen sind, alles zu geben! Die zwischen brachial derben Oldschool-Deathmetal-Knüppelpassagen verbunden mit schleppend schweren, majestätisch langsam rollenden Doom-Elementen sich bewegende Doom-Death-Mischung macht überhaupt keine Gefangenen. Ausnahmslos jeden Anflug ruhiger Klänge rabiat im Keim erstickend krachende tödlich killend schwere Doomriffwalzen lassen ebenso wenig Zweifel daran. ASPHYX durchweg überzeugen auf ganzer Linie, bringen das Publikum in Fahrt und gehören zu den Glanzlichtern eines vielseitigen ROCKHARD-FESTIVALS. So bärenstark sind ASPHYX bisher selten gewesen, woran Stefan „Husky“ Hüskens kraftvoll präzise punktgenaue Schlagzeugarbeit gewichtigen Anteil trägt. In derart beeindruckender Form darf der kampferprobte van Drunen-Vierer gern erneut im Amphietheater aufschlagen. - Rrrroooaaarrr!

EXODUS

schaffen es erwartungsgemäß, die starke ASPHYX-Vorstellung im Ruhrpott, dem unangefochtenen Thrashmetalzentrum Deutschlands zu toppen, was mit mörderisch druckvoll schnellen alles zerlegenden Kultgranaten vom Kaliber „Bonded By Blood“, „Exodus“, „Pleasures of the Flesh“, „Fabulos Desaster“, „Toxic Waltz“ oder „Strike of the Beast“ gelingt, zumal die heftig auf's Gaspedal tretende Bay Area-Thrashlegende für den größten dauerhaft rotierenden Moshpit des Tages plus ein zahlreich gefülltes Amphietheater sorgt. Neun Jahre liegt das brutal restlos alles wegblasende 2008er EXODUS Gastspiel schon zurück (damals mit Rob Dukes hinterm Mikro!)

Seit 2014 haben sie wieder ihren früheren Frontmann Steve 'Zetro' Sousa in Reihen, der als launischer Stimmbandquäler geltend, sich in Gelsenkirchen bestens gelaunt zeigt. 'Zetro' ist nicht nur stimmlich topfit, er fordert zwischenzeitlich das Publikum auf, den Moshpit zu vergrößern, indem er deutliche Worte an die Fans richtet ( „This is a little bit to small. Make this Pit bigger than before“) um dies mit entsprechender Handgeste aufzeigt. Erfreut über die große den Bay Area-Thrashern entgegen schlagende Resonanz. Lee Altus/Gary Holt bilden das neben dem heute leider nicht mehr existierenden SLAYER-Tandems Hannemann/King unschlagbarste Axemen-Duo der Thrashszene; ein solch pausenlos mächtig hohes Drucklevel verziert durch massig spielerisches Feingefühl, sowie Finessenreichtum gepaart mit zielsicherem Timing beherrschen in aller Regel nur die Besten der Besten unter den Saitenakrobaten. Jack Gibson's donnernde Bassläufe im straighten Zusammenspiel mit dem auf High Energie-Modus den Beckenwald und Fellmembranen seines Schlagzeugs bearbeitenden Tom Hunting bildet eine prächtig geölte Rhythmussektion, deren massives Fundament keinen Grashalm stehen lässt. EXODUS heißen die Abräumer des Tages, was eine durch die Bank großartige Publikumsresonanz im Amphietheater deutlich aufzeigt, das den alles zuvor gewesene hinter sich lassenden Bay Area-Fünfer zurecht (verstärkter Crowdsurfing-Alarm inbegriffen) gewaltig abfeiert. Selbst die EXODUS mit einem richtig hammerstarken Gig am nächsten kommenden Doom-Deather ASPHYX ziehen gegenüber der gestandenen Bay Area Oldschool-Thrashinstitution in Sachen Resonanzpegel knapp den Kürzeren. EXODUS haben ihre Position eindrucksvoll bestätigt, sich als klarer Punkt und Tagessieger herauskristallisiert. War das wieder ein gewaltiges Brett und nicht anders von EXODUS zu erwarten. Ein Exodus vom Feinsten!

D-A-D

Wie echtes Rock n' Roll-Entertainment funktioniert, zeigen DAD. Was wäre eine fette Sause zu bester Abendzeit ohne den sympathischen Dänenvierer? Diesmal haben sie ihre 1991er 'Riskin' It All'-Bühnendeko mitgebracht, das überdimensionale Wohnzimmer im XXL-Format bestehend aus einer Couch, hippieskem Wandbehang, Lampen links und rechts, sowie vier Mini-Bühnen lassen gar keinen Zweifel aufkommen, das sich die kreativen Dänen so unberechenbar sind wie ein schlafender Wolf im Sommerwind. Feuertonnen stehen heute nicht auf der Bühne, Pyroeffekte wurden auf ein Minimum reduziert. Technisch ist das Dänenquartett harmonisch aufeinander eingespielt, Hits haben D-A-D zur Genüge. Der Einstieg mit „Riskin It' All“ ist passend gewählt, auch „Monster Philosophy“, „Girl Nation“, „Everything Glows“ oder „I want what she's got“ wissen rockend zu überzeugen. „Verstehen Sie, was ich Ihnen sage?“ wendet sich Sänger/Gitarrist Jesper Binzer in gebrochenem Deutsch ans Publikum. Wie 2013 wird Schlagzeuger Laust Sonne zum Zielobjekt, während Jesper Binzer eine Geschichte über dessen morgendliche Empfindungen zum Besten gibt, die er mit den Worten: „Große Scheiße, Laust!“ kommentiert. Der angesprochene nimmt den Faden auf, stimmt in das Spiel mit ein, fordert das nach anfänglichem Zögern die Worte „Große Scheiße, Laust!“ im Kollektiv brüllende Auditorium zur Gruppenaktivität auf, was der amüsanten Vorstellung besonderen Charakter verleiht. Für unentbehrliche Akzente sorgt Tieftöner Stig Pedersen, der durch seinen Ganzkörper-Astronautenanzug einschließlich Helm allein optisch imposant wirkend fleißig mit den Binzer- Brüdern auf Couch und Bühne um die Wette posend ein ungeheures Pfund Coolness mit einbringt. Die Feuerfontäne aus seinem Helm passend zum großen „Sleeping my Day away“-Finale lässt im wahrsten Sinne des Wortes den Funke(n) auf's Publikum überspringen, während das Vorzeigestück des dänischen Hardrockquartetts in derart gigantisch raumgreifend emotionell tief unter die Haut gehend nordisch düster-Folkiger Akkustikvariante kombiniert mit klassischem Hardrock-Vibe, - der jüngere Binzer Jacob - serviert ein ungewöhnlich feinfühliges, immense Spannung erzeugendes Leadgitarrendesert kombiniert mit klassischen Rock n' Roll-Elementen, hochkonzentriert auf oberstem Top-Level brillierend. Ohne Zugabe werden die Dänen – das versteht sich bei D-A-D ganz von selbst – nicht von der Bühne gelassen.„Jihad“ beendet eine phantastisch unterhaltsame Show genial irrwitzigen R & R-Entertainments.

Fazit: D-A-D boten wieder schlichtes Rock n' Roll-Entertainment pur, das es einen sprachlos macht oder schlichtweg aus den Socken haut, das zu den Glanzleistungen eines tollen ROCKHARD-Festivals 2017 gehörte. Bereits 2013 (vier Jahre liegt es zurück), rissen die vier Spaßvögel das Amphitheater genauso heftig mit, denn man weiß nie für welche Überraschungen sie gut sind.

D-A-D verwandelten die Bühne zum heimischen Wohnzimmer durch folgendes Programm:

Riskin' It All
Written in Water
Monster Philosophy
Girl Nation
Soulbender
A New Age Moving In
Riding with Sue
Everything Glows
Scare Yourself
I want what she's got
Bad Crazyness
Sleeping My Day Away
Jihad

BEHEMOTH

Nach soviel Klaumauk ist der polnische Black/Deathmetalvierer BEHEMOTH ein höchst willkommener zumal recht außer gewöhnlicher Headliner. IMMORTAL haben das ROCKHARD-Festival 2008 erfolgreich als letzte Band beendet, und das ebenfalls am Samstag als die 'Pandas of Northern Darkness' einen grandiosen 2. Festival-Tag als Headliner nach EXODUS beschlossen.

Das BEHEMOTH spätestens seit der Jahrtausendwende zu den Großen im Extrem-Metalsektor gehören, zeigt sich einmal mehr in Gelsenkirchen, wo sie ihrer Jüngerschaft die Messe lesen. Zunächst erklingt das mächtig Düsterstimmung erzeugende Intro des Erzengels Gabriel, „Blow Your Trumpets, Gabriel!“ dann brettern die Polen den Göttlichen Zorn lat.: „Furor Divinus“ freilassend so vehement drauf los, als gäbe es kein Morgen mehr. Zeitweise kommen Erinnerungen an ganz frühe DIMMU BORGIR zu For All Tid/Stormblast-Ära hoch. Vom damaligen Extrem-Knüppel-Blackmetalact in den 90ern haben sich BEHEMOTH längst verabschiedet sich bis heute kontinuierlich zu einer Sphärischen Black/Deathmetalurgewalt Live on Stage weiterentwickelt. Die ehemals unter dem Namen BAPHOMET firmierenden Polen haben dennoch ihre grundlegenden 90er-Jahre Blackmetalwurzeln die stark an das norwegische Kollegium der 2. Blackmetal-Welle erinnern, beibehalten. Wer ein solch amtlich rollendes Brett mitsamt dazugehöriger Show spielt, das sowohl brutal schwere Blackmetalattacken, mystisch-prophetische Passagen, unterschwelligen Deathmetaltouch, beklemmende Schwere als auch tief unter die Haut gehende Melodien vereint, kann mit fesselnd atmosphärischer Düsterheimerkost vom Kaliber „Ora Pro Nobis Lucifer“, „The Satanist“, „In The Absence of Light“, „O Father, O Satan, O Sun!“ selbst nach D-A-D überzeugend punkten, wenngleich ein Teil der Gäste im gut gefüllten Rund bereits 30 Minuten vor Beendigung vom Headlinergig von Dannen zieht, da ihnen BEHEMOTH entweder überhaupt nicht liegen oder mindestens eine Spur zu hart sind. Fronter Nergal wirkt mit Kampfanzug und Kapuze wie eine Gestalt aus einer anderen Zeit. Das Zusammenspiel der Polen ist sowohl bei berserkerhaften Blastbeat-Attacken als auch tonnenschwer epischen Grooves professionell aufeinander abgestimmt. Einstmals auf Paganismus/Geschichte bezogene Themen bleiben in der Schublade. BEHEMOTH spielen in ihrer ganz eigenen Liga, was deren hervorragend umgesetztes auf Wiederentdeckung Satanischer Elemente, Luciferianismus und Abtei Thelema ausgerichtetes Live- Material unterstreicht. Die schwarz/weiß-Geschminkten schaffen es sogar, den Großteil des Auditoriums bis zum Ende zu fesseln. Publikum und Band bilden ein faszinierendes Gesamtbild. Nachdem die Luciferianische Messe gelesen ist, lässt sich für die polnische Black/Deathmetalstreitmacht attestieren: BEHEMOTH waren ein starker Samstags-Headliner, der seinem Ruf gerecht wurde!

Lucifer's Boten verkündeten ihre Messe wie folgt im Amphitheater:

Blow Your Trumpets, Gabriel
Furor Divinus
Messe Noire
Ora Pro Nobis Lucifer
Amen
The Satanist
Ben Sahar
In the Absence ov Light
O Father O Satan O Sun!
Ov Fire and the Void
Conquer All
Chant for Eschaton 2000

Wetternachlese:

Am Freitag blieb das Wetter laut Vorhersage gemäß noch sehr warm, Temperaturen über 30 ° . Etwaig seitens der Wetterdienste vielfach vorhergesagte Wetterkapriolen bezogen auf schwere Unwetter für den Samstag blieben dankenswerter weise aus. Im Laufe des Samstags regnete es zwischendurch ein wenig. Während BEHEMOTH auf der Bühne stehen fängt es stärker an zu regnen, etwa nach Mitternacht regnet es die ganze Nacht durch. Der Temperatursturz macht sich bemerkbar, es wird kalt. Am nächsten Morgen präsentiert sich der Himmel schon wieder ganz anders. Den Sonntag herrscht wechselhaft bewölkter Himmel, teilweise Sonne, kein Regen. Wettermäßig betrachtet, stand das ROCKHARD-Festival unter einem günstigen Stern. Gut ausgeschlafen steigt meine Freude nach dem Aufstehen auf den bevorstehenden Festival-Sonntag, der sogleich einen Dämpfer für mich bereithält. NIGHT DEMON stehen den Sonntag gleich als erste Band am frühen Mittag gegen 12:00 Uhr eröffnend auf dem Programm. Mich beschleicht ein ungutes Gefühl. Bei dem Status, den das Trio seit geraumer Zeit hat, könnte es Komplikationen geben..., siehe da, spätestens am Einlass angekommen bzw. dem, was  davon überblickbar ist, wird es zur Gewissheit: Kilometerlanger Massen-Stau zu drei Seiten!

Festival-Sonntag, 04.06.17

NIGHT DEMON

gehen mir wegen der chaotischen Zustände am Einlass beinahe komplett flöten, da lediglich drei Torbahnen geöffnet sind, was laut Planung der Veranstaltercrew ausreichen würde, ha! Weit gefehlt. Die Menschenmassen stehen in kilometerlanger Schlange zu beiden Seiten der Kanalbrücken! Schon während ich draußen herumstehe dringt die Stimmung im Rund lautstark nach Draußen. Gerade als ich direkt auf der obersten Stufe des Amphitheaters stehe, erklingen die ersten Takte vom letzten Stück, dem IRON MAIDEN-Cover „Wasted Years“ bei tosendem Applaus, Standing Ovations hallen durchs Ambiente – im Rund herrscht Stimmung, die fast einem Headlinergig nahe kommt! Beweis genug, das NIGHT DEMON, die Senkrechtdurchstarter auf dem klassischen Heavy Metalsektor, auch im Amphitheater eine amtlich mehr als fette Visitenkarte hinterlassen haben! Das Ventura-Trio lässt, soviel wird nach diesem Hammergastspiel als zu früher Opening Act des Gelsenkirchener Pfingstsonntags klar, einige später folgende Combos ziemlich blass aussehen!

BLOOD CEREMONY

Nach NIGHT DEMON auf die Bühne zu müssen, ist eine undankbare Aufgabe, das müssen auch die Okkultmetaller BLOOD CEREMONY leidlich erfahren. So hervorragend abgestimmt die Band auf der Bühne einschließlich Hits, feiner Flötensoli und einer straigt abgehenden Rhythmussektion, packende Leadsoli mit inbegriffen sich präsentiert, gegen die zuvor übermächtige Night Demon-Vorstellung können sie nur bedingt anstinken, obwohl BLOOD CEREMONY musikalisch over the top auf der Bühne agieren! Wer spannend psychedlisch progressiv gestrickte Okkultrockperlen deren kauzig wildes Ebenbild sich in wie „The Magician“ oder „Hymn To Pan“ spiegelt, im Gepäck hat, kann bei der auf solcherlei musikalischen Vorlieben schwörenden Anhängerschaft im Grunde nichts verkehrt machen. Während des Gigs fühle ich mich des Öfteren in Gedanken an eine Zeit zurück versetzt in der JETHRO TULL auf BLACK SABBATH, CLANNAD und FAIRPORT CONVENTION treffen. Unglaublich, wieviel naturreligiösen Folkspirit BLOOD CEREMONY auf der Bühne entfachen. Resonanztechnisch liegen sie hinter dem brillianten Opening Act zwar zurück, ein Sahnebonbon sind BLOOD CEREMONY allemal, wenn sich Orgel und Flöte mit E-Gitarre duellieren oder Sängerin Alia o' Brian ihrem Instrument traumhafte Flötensoli entlockt, befindet man sich auf einem urig fesselnden Trip, zu dem sich wunderbar tanzen, genussvoll abschweifend in Gedanken verweilen oder bei fließenden Riffattacken dynamisch rocken lässt. BLOOD CEREMONY bauen raumgreifende fließend ineinander übergehende Spannungsbögen auf, und verlassen gegen Ende von ihrer Anhängerschaft zurecht gefeiert zufrieden die Bühne.

Am Rande bemerkt:

Den NIGHT DEMON-Ausfall durch das Chaos am Einlass betrachte ich spätestens nach dem BLOOD CERMONY-Gig mit einem lachenden und weinenden Auge. BLOOD CEREMONY gesehen, NIGHT DEMON ausgefallen. Da NIGHT DEMON derzeit ohnehin an jeder Steckdose spielen, ist dieser Verlust des Hammergigs zum Trotz durchaus verkraftbar. Wesentlich mehr hätte es mich letzten Endes geärgert, die Okkultrockband BLOOD CEREMONY fast vollständig zu verpassen, die um ein vielfaches seltener Livegastspiele gibt. Ein solches durfte ich aus erster Reihe in stillen Gedanken an Kräfte der Naturelemente, Magier, Hexen und den Hirtengott Pan genießen.

SECRETS OF THE MOON

Trockeneisnebel-Silhouettenschleier wehen bei SECRETS OF THE MOON über den Rhein-Herne-Kanal, als die ersten massiv abgegebenen Riffvibrationen der von Okkultismus, Metamorphosen und Thelema beeinflussten Osnabrücker über den Rhein-Herne-Kanal flirren. Zeitweise verdichten sich die Wolken, ehe die Sonne hervortritt, bis sie sich erneut verdichten. Die abwechslungsreiche Mischung aus AMORPHIS zu Elegy-Zeiten, schweren PARADISE LOST-Riffs kombiniert mit tempoforcierten Blackmetalattacken erzeugt musikalisch einen beständig vorhandenen Hauch mystscher Gespensteratmosphäre . Dieser Zustand hält etwa knapp 45-Minuten lang an; auch SECRETS OF THE MOON schaffen es zu polarisieren. Unterstützt von einem fleißig mitgehenden Supporter-Fanklientel fallen die Reaktionen zwiegespalten aus; obwohl ich bis dato keinen ihrer Songs kannte gefallen mir SECRETS OF THE MOON nach schleppendem Beginn zunehmend besser, und ich bin hinterher um einen interessanten Erfahrungswert reicher. Gegen die starke Vorstellung des zur Zeit überall abräumenden Nachtdämons zogen auch die deutlich mehr im Underground aktiven SECRETS OF THE MOON trotz ansprechender Leistung den Kürzeren.

DEMON

Gelegenheit sich etwas kultigen N.W.O.B.H.M.-Spirit einzufangen bekommt die Anhängerschaft der Urmutter des Heavy Metals am Nachmittag ab 15:15 bei DEMON; davon hat die seit etwa gut 40 Jahren aktive Truppe aus England, genauer Staffordshire reichlich genug auf der Pfanne. Egal ob der atmosphärisch beginnende Klassiker „Night of the Demon“, dem weitere Hymnenhämmer aus früheren Tagen u. a. „Into The Nightmare“, „Sign of a Madman“ oder „Standing on the Edge of the World“ folgen - jedes Stück bekommt seine Aufmerksamkeit, die Reaktionen auf die Engländer entwickelnd sich gespalten, da DEMON selbst nach so langer Zeit kurioser maßen immer noch als ewige Geheimtipp aus England unterwegs einem Teil des Auditoriums nicht allzu sehr bekannt sind. Technisch gesehen, macht die Band ihren Job amtlich gut. Sänger Dave Hill's stets kraftvoll tönende Rockröhre ist immer ein Genuss. Die tight aufspielende Gitarrenfraktion Paul Hume/David Coterill, bildet zusammen mit Basser Ray Walmsley eine zuverlässige Mittelachse, wirft sich gerne dem Bühnenrand recht nahe kommend in schräge Posen, Karl Waye erzeugt raumgreifend mystische Keyboardteppiche, während Stöckeschwinger Neil Ogden für den richtigen Punch am Schlagzeug sorgt. Bei der phantastischen Songauswahl der Engländer muss eingeschworenen DEMON-Fans regelrecht Gänsehaut über den Rücken laufen! Auch der Dämon hinkt trotz ausdrucksstarker Performance dem Nachtdämon etwas hinterher. Logischerweise gehören die letzten fünf Minuten dem bekanntesten erwartungsgemäß auch im Amphietheater am meisten bejubelten DEMON-Gassenhauer „Don't Break The Circle“, was frenetisches Mitsingen plus Headbangen und Hönergabel zeigen auslöst. Danach ist ein weiterer erlebenswerter DEMON-Auftritt gelaufen.

ROSS THE BOSS

Was dann folgt, darauf scheint quasi jeder im Amphitheater gewartet zu haben. Das Publikum strömt in Massen herein, kaum ein Platz ist mehr frei. So extrem gefüllt wie bei ROSS THE BOSS ist das Amphitheater bei keiner anderen Band. Alles wartet mit Spannung auf ROSS THE BOSS mit ihrem neuen Sänger. Würde Marc Lopes an die Klasse von Mike Cotoia heranreichen, können die legitimen Verwalter des MANOWAR-Erbes ihre bisherigen Erfolge bestätigen? Um die Antwort vorwegzunehmen: Ja! ROSS THE BOSS haben nicht nur den größten Publikumszuspruch des Festivals mit den meisten in die Luft gereckten Fäusten des Tages dazu den besten, voluminös druckvoll gemischtesten Sound erwischt, und darüber hinaus eine Palette Klassiker im Programm. Aus Sicht vieler Festivalbesucher (ich empfinde es ebenso) hätte diese Vorstellung ruhig noch um eine Stunde verlängert werden können! Mit der Aufzählung, was heute alles in der umfangreichen MANOWAR-Klassikerpalette fehlt, wollen wir deshalb gar nicht erst anfangen. „Blood of the Kings“ vom 1988er Meisterepos 'Kings of Metal' markiert den Einstieg. HELLSPEAK/ LET US PREY ex-Trigger Effect, ex-Meliah Rage, ex-Hammersmyth-Sänger Marc Lopes verfügt sicherlich über ein weniger extrem facettenreich hochtonlastiges Organ, dafür besitzt sein Stimmvolumen mehr an Garstigkeit. Der Mike Cotoia-Nachfolger erfüllt seinen Job mit viel Hingabe, ist viel in Bewegung. Ex-MANOWAR-Saitenhexer Ross the Boss brilliert meisterhaft an seiner Axt, kräftig unterstützt von der druckvoll aufspielenden Rhythmussektion, dem einstigen MANOWAR Schlagzeuger (vorwiegend zur Triumph of Steel-Phase) Kenny „Rhino“ Earl an dessen Seite Bass-Tausendsassa Mike Lepond agiert. Abgemischt im fetten MANOWAR-Soundvolumen bleibt festzustellen: Diesen Sound hört man kilometerweit über den Rhein-Herne-Kanal hinaus! „Death Tone“, „The Oath“, „Blood of my Enemies“, „Kill With Power“, heizen die Stimmung weiter auf, es folgen „Thor“ (The Powerhead) und „Sign of the Hammer“, über ein explosives „Fighting The World“ darf sich das Amphitheater gleichfalls freuen, dem sich (Heavy) „Metal Daze“ die vom ROCKHARD-Publikum überschänglich gefeierte Ode an die lauteste Musik der Welt anschließt, deren Refrain voluminös von den Fans wiedergegeben das Amphitheater für kurze Zeit in einen gewaltigen Berg verwandelt, von dem es herabhallt: „'Cause Only One Thing really sets Me free... Heavy Metal, loud as it can be!“ Beim unverzichtbaren Schlußdoppel „Battle Hymns“/„Hail and Kill“ tobt der Mob, alle Fäuste werden Seite an Seite im Takt in die Luft gereckt, die Zeit vergeht im Flug. Schade, das dieser zum superben Höhepunkt gewordene Auftritt bereits nach 60 Minuten vorüber ist, doch eines hat sich klar gezeigt: ROSS THE BOSS können mit dem als Nachfolger von Mike Cotoia präsentierten Marc Lopes immerhin auf beinahe ebenso hohem Niveau brillieren!

Sicher hätte man gerne zahlreich weitere Klassiker z. B. „Holy War“, „Defender“ „Guyana“ (Cult of the Damned“, „Mountains“, „Cloves of Metal“, „Army of Immortals“ etc. gehört. Wer eine solch beeindruckende Klassikerauswahl hat, kann gar nicht alles bringen. ROSS THE BOSS haben ihr kleines 60 Minuten Hitfeuerwerk im Rahmen eines zumindest für den geneigten MANOWAR-Fan als 'Normalprogramm' zu betrachtenden Gastspiels abgebrannt, dessen Flamme lodernd hell über dem Gelände am Rhein-Herne-Kanal aufleuchtete. Ein Festival-Höhepunkt mit Erinnerungswert.

Die ROSS THE BOSS-Setlist auf dem ROCKHARD-Festival 2017 enthielt folgende zeitlosen Früh-MANOWAR-Spirit freisetzenden Klassiker:

Blood of the Kings
Death Tone
The Oath
Blood of My Enemies
Kill With Power
Thor (The Powerhead)
Sign of the Hammer
Fighting the World
Metal Daze
Battle Hymn
Hail and Kill

FATES WARNING

Bei der US-Progressive Metal-Institution haben sich die Reihen gelichtet. Unterhalb im Rund ist nun deutlich viel mehr Platz. FATES WARNING wären keineswegs FATES WARNING, wenn es ihnen nicht gelänge, schrittweise auch das Publikum von der Theke zurück ins Theater zu holen. Zeitloses Progressive Metal Kulturgut wie „Seven Stars“, „Point of View“, „Monument oder „The Eleventh Hour“ zeigt die technisch hochversierten Fähigkeiten der Herren Alder, Vera, Matheos und Jarzombek in voller Blüte. FATES WARNING fesseln ihr Publikum in gewohnter Weise, obwohl ihnen das Kunststück gelingt, 70 Minuten durch nur 8 Songs auffüllen, wodurch sich deren Gig zähfließend in die Länge zieht. Für Progressive Metalfans eine Offenbarung, für andere definitiv nicht, wie den gelangweilt murrenden in unfairer Weise im nicht druckreifen Vocabular über die Band abrotzenden Typ hinter mir, die mit FATES WARNING rein gar nichts anzufangen wissen, am Ende heilfroh, ja geradezu erleichtert sind, dass der Gig vorbei ist. (An den Unbekannten: - Schäm' dich, Du Banause! Wem eine Band missfällt, der muss es sich nicht antun, deren Auftritt  mosernd mit der Brechstange beizuwohnen. Es gibt reichlich Möglichkeit das Gelände zu erkunden, etwas essen zu gehen, sich die Händlerstände anzuschauen oder das wunderschön gelegene Ambiente am Rhein-Herne-Kanal zu geniessen... - statt anderen die sich auf den Gig freuen, mit der eigenen Unzufriedenheit auf den Sack zu gehen...!

DIRKSCHNEIDER

Udo Dirkschneider will mit seiner Band UDO endgültig einen Schlußstrich unter seine ACCEPT-Vergangenheit ziehen, d. h. damit abschließen. Die Gedenktour des deutschen Heavy Metal-Urgesteins lief erfolgreicher als erwartet, Verlängerung folgte auf dem Fuße. Nun spielt Udo mit seiner Band einen dieser Erinnerungsgigs auf dem ROCKHARD-Festival in Gelsenkirchen. Gemischte Gefühle für gestandene ACCEPT-Fans wie mich. Es folgt eine Zeitreise zurück zu den Wurzeln des Heavy Metals mit Prägesiegel 'Made in Germany'. Zum einen mag ich ACCEPT, zum anderen die nun trotz diverser Line Up-Wechsel auch schon seit 30 Jahren bestehenden U.D.O. Kurz bevor Meister DIRKSCHNEIDER mit seiner Crew auf die Bühne kommt, steigt die Spannung extrem, die Unruhe nimmt zu, ein mächtiges Raunen geht durch's Rund. In US-Tarnjacke auflaufend beginnt Generalmajor Dirkschneider mit dem Protopowermetalkracher „Starlight“, dem über ein halbes Dutzend weiterer Sahnebonbons aus seiner früheren Bandära folgt. Der Sound ist in Ordnung, die kräftig sägenden Gitarren von Andrey Smirnov und Bill Hudson, das knallende Schlagzeug des sicher klöppelnden Sven Dirkschneider und Fitty Wienholds tieftönender Bass kommen druckvoll aus den Verstärkern, wie es sein soll, ebenso die unverwechselbare  Reibeisenröhre des kleinen Mannes mit der gewaltigen Stimme der sich mit seiner spielfreudig posenden Gitarrenfraktion bestens aufgelegt im Amphitheater Gelsenkirchen präsentiert. Sämtliche Mimiken, Gestiken getragen vom Charisma eines sich nach allen Seiten der Anhängerschaft zuwendenden Udo Dirkschneider übertragen sich binnen kurzer Zeit aufs Publikum.  „Living for Tonite“ im Stampfrhythmus darf ebenso wenig fehlen, wie „Flash Rockin Man“, „London Leatherboys“, „Midnight Mover“, das Speedmonster „Breaker“, „Princess of the Dawn“, „Restless and Wild“, „Son of a Bitch“, „Up To The Limit“, hossa! Da kommen so viele Gedankenbilder aus der Vergangenheit hoch... - eine Heavy Metalnacht ohne ACCEPT? Nein, das war völlig undenkbar! Die Security vor deren Leistung man den Hut ziehen muss, hat wegen der Massenflut an Crowdsurfern reichlich viel zu tun. „Screaming For a Love Bite“, „Losers and Winners“, „Metal Heart“, und Heidiheidoheida... , Heidiheidoheida, Heidi, Heido, Heida hahahahaha... ähhh der Speedhammer „Fast as a Shark“, die Stimmung im Ruhrpott ist permanent heftig am Kochen, das Publikum gerät außer Rand und Band. Ein Grüppchen Kuttenträger auf der rechten Seite liefert sich eine wahre Luftgitarrenschlacht. Bei soviel zeitlosem Klassikerhymnenfutter kann es keinen schreienden, brüllenden, singenden, headbangenden aufrechten Metalhead ruhig auf dem Sitz halten. Auch bei mir geprägt von der 80er-ACCEPT-Phase gehen bei diesem denkwürdigen Ereignis sämtliche Sicherungen durch. Udo Dirkschneiders Verabschiedung von und mit zahlreichen seine Karriere prägenden ACCEPT-Klassikern, beendet in beeindruckender Weise ein Stück nicht wegzudenkender Teutonenstahl-Historie - Zeitgeschichte, die in solcher Form nicht wiederkommt. Es ist folglich das Ende einer alten Ära, die Platz macht für eine neu beginnende. Doch daran will, - seien wir ehrlich, - an diesem unvergesslichen Abend keiner denken.

Die Jahrhunderthymne zugleich Titelsong vom 1983er-Album „Balls To The Wall“ setzt dem beeindruckenden Gastspiel des German Bulldog & Crew die Krone auf. Ein halbes Dutzend Kuttenträgerschaft stimmt danach sogar „I'm a Rebel“ an, was leider nicht mehr gebracht wird. Schön wär's gewesen... - Generalmajor DIRKSCHNEIDER, Sie haben ganze Arbeit geleistet! Für mich und nicht wenige andere das  u l t i m a t i v e  Highlight auf dem ROCKHARD-Festival 2017!

Mit folgendem Klassiker-Arsenal ließen DIRKSCHNEIDER seelige 80er-ACCEPT-Zeiten aufleben:

Starlight (Accept Song)
Living for Tonite (Accept Song)
Flash Rockin' Man (Accept Song)
London Leatherboys (Accept Song)
Midnight Mover (Accept Song)
Breaker (Accept Song)
Princess of the Dawn (Accept Song)
Restless and Wild (Accept Song)
Son of a Bitch (Accept Song)
Up to the Limit (Accept Song)
Screaming for a Love-Bite (Accept Song)
Losers and Winners (Accept Song)
Metal Heart (Accept Song)
Fast as a Shark (Accept Song)
Zugabe:
Balls to the Wall (Accept Song)

OPETH

Zunächst gönne ich mir eine kräftige Portion Currywurst mit Pommes um dann mal zu schauen, was noch kommt... - natürlich: OPETH! Die auf progressiven Deathmetal und -Rock gepolten Schweden lassen zunächst „Through Pain To Heaven“ (einen Song der Krautrockband POPOL VUH) vom Band erklingen, ehe es richtig zur Sache geht. Handwerklich auf höchstem Niveau agierend lassen Michael Akerfeldt und seine Crew keinen Zweifel an ihrer Befähigung aufkommen. Inhaltlich bewegen sich die stets in ihrer eigenen Liga spielenden Schweden auf dem schmalen Grad zwischen urig bratendem 60er-70er Krautrock vom Typ AMON DÜÜL/POPOL VUH, brücken bildendem Progressive Rock á lá PINK FLOYD und knallhartem Oldschool-Death Metal Marke NAPALM DEATH. Folglichermaßen zeigt das NAPALM DEATH-Cover „You Suffer“ deutlich, das die Wurzeln der Band bereits im frühen 80er-Jahre Deathmetal-Stadium liegen, noch ehe die Extrem-Stilrichtung ihren zu Beginn bis Mitte der 90er vollzogenen Durchbruch schaffte. Ansagen von Bandleader Mikael Akerfeldt können zeitweise langatmig sein, was des Öfteren ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit verbunden mit Konzentration beansprucht. Rockfans unter schiedlichster Generationen stehen und sitzen bei OPETH gemeinsam zusammen, um sich von der erlesenen, über jede Form von Kritik erhabenen Klasse solch Genreübergreifender Progressive Rock/ Deatmetal-Diamanten im XXL-Raumklangformat wie „Sorceres“, „Ghost of Perdition“, „The Wilde Flowers“, „Cusp of Eternity“, „Era“ oder „Deliverance“ fesseln zu lassen. Moderne Laser sorgen für gleißend helle Strahlen-Lichteffekte. OPETH haben einen fast einwandfrei reinen klaren Sound, wie ihn nur zeitlos geniale Rockformationen z. B. die Progrock-Könige PINK FLOYD besitzen, (von denen OPETH ebenfalls beeinflusst sind) alles passt nahezu perfekt ins Bild. Der Kontrast zwischen spielerischer Eleganz, verträumter Momente, brachialer Härte und wechselhaften Stimmungen sorgt für den gelungenen Abschluß eines tollen Festivals, das viel zu bieten hatte, jedoch organisatorisch an mancher Stelle auch zu wünschen übrig ließ.

Through Pain to Heaven (Popol Vuh song)
Sorceress
Ghost of Perdition
You Suffer (Napalm Death cover)
Demon of the Fall
The Wilde Flowers
In My Time of Need
Cusp of Eternity
Heir Apparent
Era
Deliverance

Festival-Nachwort:

Zunächst einmal muss dem Team vom ROCK HARD-FESTIVAL für ein abwechslungsreiches Pfingst-WE in bewährter Location gedankt werden. So gut die Organisation in bestimmten Punkten wie so häufig war, gab es leider auch grobe Fahrlässigkeiten zu bemängeln. Dinge, die durchaus der Verbesserung bedürfend nicht verschwiegen werden sollen, damit sie nächstes Jahr in derartiger Form nicht wieder auftreten, weshalb sich dieses Schlußwort dementsprechend auch gesondert unterteilt:

Positiv:

Zunächst das Positive, z. B. die Toilettensituation: Gut. Da vorne auf dem Platz oft gereinigt wurde, ebenso der Wagen auf dem Zeltplatz womit es möglich war, sich die Hände nach dem Dixiegang zu waschen. Hygiene ist generell gerade auf draußen stattfindenden Festivals unabdingbares Muss. Der rund-um-die Uhr-Verpflegungsstand mit Kaffee, Bockwürstchen, Eiern & Speck, Wasser, usw. hat sich bewährt. Die reichhaltige Auswahl an Getränken und Mahlzeiten bot viel für den Gaumen, dazu gab's bereitgestellte Sitzgelegenheiten – tolle Sache! Die Metalbörse auf dem Gelände hatte gewohnt eine Menge zu bieten, ein unverzichtbarer Standard, der generell jedes Jahr zum Festival dazu gehört. Die früheren um 1 Stunde vorverlegten Endzeiten (um 23:00 Uhr ist Schluß) haben sich aus meiner Sicht als klarer Vorteil herausgestellt. Es besteht ausreichend Möglichkeit, zum noch etwas länger Partyfeiern ins Metalzelt gehen, die Händlermeile besuchen, in Ruhe noch etwas Essen, ein wenig länger mit der Gruppe auf dem Camper chillen oder die Nacht anderweitig auskling lassend, sinnvoll nutzen. Die Reichhaltigkeit diverser Stände über den Gitarren-Workshop bis zu den Handelswaren bot recht viel interessantes. Auch der Einsatz von Gelsenkirchener Feuerwehr, die Präsenz vom Roten Kreuz und Stadtreinigungskräften am Gelände erwies sich richtige Maßnahme, einen geordneten Festivalablauf zu organisieren. Auf einem Festival fällt immer eine Unmenge Müll an, den es zu beseitigen gilt, auch ein Brand lässt sich nie ganz ausschließen oder das sich jemand auf dem Gelände verletzt, davor ist niemand gefreit. Ein großes Lob muss den Damen und Herren von der CSS Security gezollt werden: Leute, ihr habt wirklich einen Super job gemacht; - vor allem wenn man sich die Masse an Crowdsurfern bei Acts wie EXODUS und UDO vor Augen hält. Das Essen beim ROCKHARD-Festival lässt überhaupt nichts zu wünschen übrig, ebenso die Getränkeauswahl, alles vorzüglich! Security, Camping, Billing Top! Die Organisation war soweit gut, doch in manchen Punkten ausbaufähiger, worauf im nächst folgenden Absatz genauer einzugehen ist.

Negativ:

Verbesserungswürdiger Sound (u. a. bei SKYCLAD und CANDLEMASS- teilweise echt stark grenzwertig!) und wenn eine Band gerade dadurch trotz qualitativer Performance schlecht klingt, nimmt einem das bei aller Liebe zeitweise auch die Freude an der Musik. Ebenso ärgerlich: Das furchtbare Chaos bei NIGHTDEMON am Einlass, wodurch mir gerade noch lächerliche 5 Minuten (!) blieben, um von der Band etwas mitzubekommen. - Ein Witz (!) Dafür kostet allein das Ticket ohne Camping nicht wenig und man will die Bands für die man bezahlt hat, auch mitbekommen, weshalb ich mir ein Nachhaken betreffs des Ärgernisses erlaube. Nächstes Jahr unbedingt von der Möglichkeit Gebrauch machen, eine weitere Bahn öffnen, (exakt aus diesem Grund stehen solche Kapazitäten zur Verfügung!) zwei Ordner abgestellt, die sich um Rucksack-Kontrollen der Massen an Tagesgästen kümmern, dann klappt das ganze reibungsloser, es gibt weniger Stress, alle sind zufrieden. 4 bzw. 5 Euro für Getränke (Wasser, Cola, Fanta, Bier etc., 1 Euro Pfand inbegriffen) ist schon happig, das geht richtig ins Geld! Nicht nachvollziehbar erscheint mir - wertes Rock Hard Team, ihr seid hier gefragt -  das Verbot von Patronengurten mit Spitzen. Einerseits werden sie aus Gründen bestehender Unfallgefahr verboten. Die Security hat Anweisung zum Kontrollieren solcher Mitbringsel, sie tut nur ihre Pflicht. Ok, durchaus verständlich. Warum werden Patronengurte mit Spitzen jedoch zuvor verboten und auf dem Festivalgelände verkauft?  Ein solches Verbot ergibt nur dann wirklich einen Sinn, wenn man sich konsequent (auch den Händlern gegenüber!!) daran hält. Es steht im völligen Widerspruch. Entweder Patronengurte mit Spitzen „Ja“ oder „Nein“. Solchermaßen inkonsequent durchgeführten halben Sachen hinterlassen seltsamen Eindruck, es wirkt unentschlossen. Will man den Händlern entgegenkommen, um Patronengurte mit Spitzen gezielt verbieten, nur damit sie für besseren Umsatz sorgend auf dem Festivalgelände verkauft, um letzten Endes doch getragen werden? Wenn ihr schon eine solche Order herausgebt, dann sorgt auch für klare Linie!

Allgemein:

Als Freitags-Headliner wären mir CANDLEMASS bedeutend lieber gewesen, wofür nicht allein pure Verkaufszahlen, sondern ein anderes für mich als Metaller gewichtigeres Faktum, nämlich die schon lange bestehende Zugehörigkeit der schwedischen Epic-Doomer in der Härtner-Szene spricht. U.D.O. Hätten schon aufgrund der Tatsache, das es mit derartigen Gigs wohl bald vorbei sein wird, den Headliner-Slot gegenüber OPETH mehr verdient gehabt. Das Billing selbst war schon wegen der vielen aufeinander treffenden Extreme lukrativ, die Stimmung wie gehabt super! Ob THE NIGHT FLIGHT ORCHESTER wirklich mit TOTO/FOREIGNER angesiedelter AOR-Seichtklangvielfalt ins Billing passten, darüber mögen andere streiten. Selbiges gilt für die Frage, ob OPETH und die BLUES PILLS Headlinerstatus erfüllen oder nicht. Am meißten wussten dieses Jahr auf dem ROCKHARD-FESTIVAL 2017 im Amphitheater Gelsenkirchen CANDLEMASS, ROSS THE BOSS (Monumental!), DIRKSCHNEIDER (Erinnerungswürdig!) EXODUS mit gnadenlos killendem Thrashbrett und D-A-D (großes Entertainement-Kino!) zu überzeugen, danach folgen: MONUMENT, SKYCLAD, ASPHYX, BEHEMOTH, BLOOD CEREMONY, DEMON, THE DEAD DAISIES, MANTAR und FATES WARNING. Normaler weise müssten in der illustren Aufzählung auch NIGHT DEMON erwähnt stehen, (wegen dem unnötigen Einlass-Chaos bekam ich traurigerweise nur noch die letzten Fünf Minuten mit, die Reaktionen im Amphietheater sagen im Endeffekt alles!) Die immerhin bereits 15. Auflage des Ruhrpott-Events, das ROCKHARD FESTIVAL 2017 bot ein bunt gemischtes, hochinteressantes abwechslungsreich lohnenswertes Billing, das für viele Geschmäcker etwas bereithielt. Nächstes Jahr wenn's passt, gern wieder! Obwohl der Gelsenkirchen-Trip mir selbst danach beim Verfassen des immens viel Zeit kostenden Berichts noch immer schwer in den Knochen steckt, bereue ich im Nachhinein betrachtet nichts.

Fotos: Michael Toscher