Konzert vom 29.07.17
mit NIGHT DEMON, SPEED QUEEN, PANDEMIC

Das FIASKO in Kassel ist mir bislang von Livegigs diverser Heavy-Metal-Coverbands her bekannt. NIGHT DEMON haben sich schon seit geraumer Zeit einen Ruf als bärenstarker Liveact erspielt, und sind auch in Kassel schon lange keine Unbekannten mehr, selbiges gilt für die Vorgruppen SPEED QUEEN und PANDEMIC. Alle drei zusammen verspricht ein verlockendes Package im kleineren Rahmen, das fette Liveatmosphäre in gemütlich-überschaubarer Location garantiert.

PANDEMIC

heizen pünktlich aufschlagend 40 Minuten mit traditioneller Oldschool-Metal-Mischung ein. Sie sind beeinflusst von unverzichtbaren Genregrößen wie u.a. MOTÖRHEAD, WASP, IRON MAIDEN, ACCEPT und JUDAS PRIEST. Nils rauer Gesang erinnert zeitweise an MOTÖRHEAD-Haudegen Lemmy. Anfangs fallen die Reaktionen zaghaft aus. Nach etwa 15 Minuten taut das Publikum auf, es zieht allmählich mehr Leute nach drinnen, vor der Bühne wird amtlich gerockt. PANDEMIC steigern sich schrittweise. Ab „Power of the Crown“ gefolgt von „Blood spangled Banner“ und „Stand As One“ erhöht sich die Stimmung erheblich. Die MOTÖRHEAD/WASP-Fraktion wird mit räudigen Cover-Sessions von „Iron Fist“ und „Blind in Texas“ beglückt, danach schweigen die Instrumente. Gelungener Anheizer Gig von PANDEMIC, genau das Richtige zum Einstimmen.

SPEED QUEEN

machen gar keine Gefangenen, sondern geben ausnahmslos Vollgas! Die Äxte der Belgier sägen heftig brutal in ohrenbetäubender Lautstärke, selbst Unterhaltungen am Tresen werden übertönt. SPEED QUEEN schreddern sich mit heftiger Dynamik und beeindruckenden Bühnen-Posen auf immens hohem Energielevel kompromisslos durch ihren Set. Frontmann Thomas Kenis wirkt in Mötley Crüe-Muskelshirt und nietenbeschlagener Kutte wie ein gestandener Shouter aus den 80ern. Diese Wildheit verbunden mit dem entsprechenden Bühnencharisma bringt der häufig selbst seine Lockenpracht schwingende, intensiv bei Krachern vom Kaliber „Midnight Murder“, Kids of Rock n Roll“, „King of the Road“ oder „Fly High“ ins Mikro shoutende Bandleader einschließlich dazugehöriger Gestik prima rüber. Zahlreiche in die Luft erhobene Hörnergabeln eines gnadenlos tobenden Fanpulks, für den es kein Halten mehr gibt, sagen alles! Die Beleuchtung setzt die Bands zwar gut in Szene, macht jedoch das Fotografieren zu einer immensen Herausforderung.

Die heftig abgehende Meute wird von Frontmann Thomas Kenis angezogen wie ein Magnet. Ihm gelingt es permanent, das Publikum zum Headbangen und Fäuste Ballen zu bewegen, begleitet von seinen vier Mitstreitern an Schlagzeug und Gitarre, die alles aus ihren Instrumenten herausholen. Der brutal rohe Sound ist nichts für hörsensible Naturen. In höllisch brutaler Lautstärke kommt ein Geschoss nach dem anderen aus den Boxen gedonnert. Die fünf Belgier lassen den Mob mörderisch wild toben. Der gesamte Saal klinkt aus! Ein schrammelig schräges auf Speed n' Roll getrimmtes ROSE TATTOO-Cover des Gassenhauers „Nice Boy's Don't Play Rock n' Roll“ liefert weiteren hoch explosiven Zündstoff, der alle Sicherungen bei den pausenlos headbangenden Fans zum Durchglühen bringt. Selbst sich ruhig im Hintergrund haltende Konzertgäste beobachten das Geschehen mit dem Gedanken, nicht eine Minute verpassen zu wollen. Mit dem UFO-Tribut-Song „Doctor, Doctor“, verabschieden sich die sympathischen Belgier gebührend von einem restlos überzeugten Publikum, das nicht nur aus Kassel und Umgebung, als vielmehr sogar aus dem Ruhrpott anreiste, um dieses packende Live-Triple mitzunehmen. Die Anzahl nassgeschwitzter Shirts ist nach dem energischen Gig deutlich angestiegen. SPEED QUEEN haben an ihren restlos überzeugenden M.O.C.-Weihnachtsgig angeknüpft. Sie haben abermals eine Visitenkarte vom Feinsten hinterlassen, über die man in Kassel sicher noch lange sprechen wird!

Anschließend zieht es einige Leute zum Merchstand. Nach der starken Vorstellung sind NIGHT DEMON gefordert, alles zu geben!

NIGHT DEMON

haben sich einen hervorragenden Ruf auf dem klassisch-traditionellen Heavy Metal-Livesektor erspielt. Egal, was Jarvis Leatherby, Dusty Squires und Armand John Anthony bringen, das Publikum rockt mit der Band ab,was das Zeug hält! Das Fiasko ist zum Bersten mit Leuten gefüllt. NIGHT DEMON übertragen ihre Leidenschaft in gewohnter Weise aufs Publikum. Die Routine zahlreicher Live-Gigs macht sich beim Ventura-Trio inzwischen stark bemerkbar. NIGHT DEMON sind stets für Überraschungen gut. Drei solche haben sie mit den Cover-Sessions von „War Pigs“ (BLACK SABBATH), „Cold Gin“ (KISS) und „Radar Love“ (GOLDEN EARRING) parat. Eigenes Material wie „Screams in the Night“, „Hallowed Ground“, „The Howlin' Man“, „Black Widow“, „Live on the Run“, „On Your Own“, „Curse of the Damned“ oder das düstere epische „Darkness Remains“ werden kräftig von der Fanmeute abgefeiert. Die sympathischen Belgier von SPEED QUEEN rocken zusammen mit im Publikum in den vorderen Reihen. Zu „The Chalice“ gibt sich Bandmaskottchen Rocky per Bühnenpräsenz die Ehre, um den Kelch der Obskurheit mit dem Wasser der Erkenntnis an fleißig mitgehende Fans getreu dem Tourmotto „Another Night with the Demon...“ auszuschenken. Ohne den MAIDEN-Tribut „Wasted Years“, bei dem sämtliche Anwesende durchdrehen, verlässt keiner den Saal. Danach ist finito und ein klatschnass durchgeschwitzter Redakteur genießt seine herrlich erfrischende eisgekühlte Cola.

Fazit: Ein hochexplosives, sich jederzeit empfehlendes Triple lockte zu einem kleinen aber feinen Metalabend ins FIASKO. NIGHT DEMON und SPEED QUEEN lagen direkt auf Augenhöhe. Mein kräftiges DANKE für diesen einmal mehr gelungenen Abend geht an die stets fleißig um Konzerte bemühte 98-Records-Crew um Dirk und Diana (Daumen hoch und... Up, The Irons!)

Fotos: Melissa Hart und Michael Toscher